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"Wie ich euch sehe" zu Flughafenkontrolle:Dreckige Windeln im Handgepäck

Eine Bitte an alle Eltern: Sprecht vor dem Flug mit euren Kindern durch, was auf sie zukommt! Dass da viele fremde Menschen sind und sie bei der Kontrolle kurz ihren Teddy hergeben müssen - dann erschrecken sie vielleicht nicht so. Mir tun die Kleinen oft leid. Manche Eltern gehen ziemlich rabiat vor, weil sie selber im Stress sind. Nehm doch euer Kind einfach auf den Arm und lasst ihm etwas Zeit.

Manchmal macht es mich traurig, wenn ich euch Sachen abnehmen muss. Oft sind es Erinnerungsstücke. Wenn ich Lebensmittel wegwerfen muss, finde ich das schlimm. Bei der Oma, deren selbstgemachte Marmelade 110 Gramm hatte statt 100, habe ich auch schon mal ein Auge zugedrückt. Man muss abwägen können, wo man großzügig sein kann und wo nicht. Schon deshalb, weil wir immer wieder getestet werden. Wenn wir ein Messer bei einer Testperson nicht entdecken, bekommen wir Schwierigkeiten, das geht bis hin zur Kündigung. Und ja: Die abgenommenen Kosmetika und andere Flüssigkeiten werden wirklich entsorgt, wir reißen sie uns nicht unter den Nagel.

Oktoberfest "Ihr haltet uns für Freiwild"
Oktoberfest

"Ihr haltet uns für Freiwild"

Die Rosenverkäuferin Katrin wird auf der Wiesn ständig angemacht. Warum sie trotzdem manchmal ihre Telefonnummer oder sogar ihre Unterwäsche verkauft, erklärt sie in einer Folge von "Wie ich euch sehe".   Protokoll von Max Sprick

Einige Kollegen mögen die Vielflieger am liebsten, weil es bei denen so schnell geht. Ich unterscheide da nicht - ich liebe meine Urlaubsflieger genauso wie die Geschäftsleute. Ich habe auch Stammgäste, eine sehr nette Geschäftsfrau geht mehrmals die Woche durch, wir grüßen uns persönlich. Mit vielen von euch kann man Späße machen, und wenn ihr erzählt, wo es hingeht, freue ich mich für euch. Neidisch bin ich nie, weil ich ja selbst oft genug in den Urlaub fahre.

Manche von euch, das muss ich jetzt einfach mal sagen, sind ganz schön eklig. Da klebt es in den Taschen oder man riecht, dass jemand lange nicht geduscht hat. Mir sind schon widerliche Dinge im Handgepäck begegnet: eine dreckige Windel oder eine Drogenspritze, in die ich beinahe reingefasst hätte. Lebende Tiere gehören übrigens nicht ins Handgepäck. Auch Seesterne nicht. Eine geladene, ungesicherte Waffe ist mir ebenfalls schon untergekommen, die hatte ein Geschäftsmann lässig im Schuh in seinem Trolley.

Es war nicht das erste Mal, dass ich Angst hatte in meinem Job. Wir bekommen immer wieder Bilder von gesuchten mutmaßlichen Terroristen vorgelegt, auf die wir die Gesichter scannen. Wenn ein Gepäckstück allein herumsteht und der Hund anschlägt - da wird einem mulmig zumute. Besonders dumm ist es, zu sagen "Ich hab da eine Bombe im Koffer". Nein, eure Bomben-Witze sind nicht originell. Im dümmsten Fall verpasst ihr euren Flug und müsst in Sicherheitsverwahrung.

Geschichten aus dem Alltag

Wie wir euch sehen

Einige Kollegen wurden schon von Passagieren angegriffen, geschlagen, mit einer Flasche beworfen. Da bin ich froh, wenn ihr frühmorgens einfach nur schlecht gelaunt seid. Ich bin auch nicht immer gut drauf. Beim 500. Menschen, der vor einem steht, ist man einfach müde - vor allem wenn man nachts um zwei aufsteht, um es zur Frühschicht zu schaffen. Vergesst bitte nicht, wir leisten so einiges, wenn viel los ist - das ist kein Job, bei dem man ausgeruht heimgeht.

Was mich richtig ärgert: Wenn sich jemand einbildet, etwas Besonderes zu sein. Wir haben immer wieder prominente Passagiere. Manche sind nett, manche meinen, für sie gelten andere Regeln, weil sie berühmt sind. Umso mehr regt es mich auf, dass es sogenannte First-Class-Schleusen gibt, an denen es schneller geht. Für die Kontrolle zahlen alle die gleiche Sicherheitsgebühr, deswegen sollten auch alle gleich behandelt werden, finde ich.

In dieser Serie kommen Menschen zu Wort, mit denen wir täglich zu tun haben, über die sich die meisten von uns jedoch kaum Gedanken machen. Sie teilen uns mit, wie es ihnen im Alltag ergeht und welche Rolle wir dabei spielen - als nervige Kunden, ungeduldige Patienten, ignorante Mitmenschen.

  • "Brauchen wir länger, tut uns das genauso weh"

    Ständig unter Strom und trotzdem meist zu spät: Ein Pizzabote erzählt, was er riskiert, um seine Lieferung möglichst schnell zum Kunden zu bringen. Und warum er sich oft wie ein Detektiv vorkommt.

  • "Die meisten wollen mich anfassen"

    Zum Jahreswechsel werden wieder kleine Schornsteinfeger-Figuren verteilt. Ein Kaminkehrer erzählt in einer Folge von "Wie ich euch sehe", wie es sich als rußüberzogener Glücksbringer lebt.

  • "Manchmal muss ich regelrecht die Tür verteidigen"

    Frauen, die sich um Ausscheidungen sorgen, Familien, die den Kreißsaal stürmen, Männer, die plötzlich umfallen: Eine Hebamme erzählt in einer Folge von "Wie ich euch sehe", was sie bei Geburten erlebt.