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"Wie ich euch sehe": Chef-Assistentin:"Ich bin die Fee mit dem Zauberstab"

"Wie ich euch sehe" aus der Sicht einer Chefsekretärin

(Foto: Illustration Jessy Asmus/SZ.de)

Viktoria B. ist ein bisschen Vorzimmerdrache, ein bisschen gute Seele. Sie ist Assistentin des Chefs - eine wichtige Position. Wie sich das anfühlt, erzählt sie in einer neuen Folge "Wie ich euch sehe".

In unserer Serie "Wie ich euch sehe" kommen Menschen zu Wort, mit denen wir im Alltag zu tun haben, über die sich die meisten von uns jedoch kaum Gedanken machen: chronisch Kranke, eine Kontrolleurin, ein Pfarrer, eine Verkäuferin. Sie erzählen, wie es ihnen ergeht, wenn sie es mit uns zu tun bekommen - als Kunden, Patienten, Mitmenschen. Diesmal beschreibt Viktoria B. ihren Alltag als Assistentin der Geschäftsführung.

Ich halte meinen Beruf für einen der abwechslungsreichsten, den es gibt. Ich weiß nie, was der Tag bringt, lerne permanent dazu - und muss es auch. Eine typische Situation in meinem Alltag ist, dass jemand in der Tür steht und sagt: "Ich hab' da mal eine Frage." Ich habe so gut wie immer die Antwort, und wenn der Mitarbeiter sagt: "Mensch, danke, dich kann man fragen", freut mich das.

Meine Tür ist immer offen. Zum einen will ich Euch damit das Gefühl geben, dass ich immer ansprechbar bin. Zum anderen kann ich so die Leute, die direkt zu meinem Chef wollen, abfangen. Denn dafür braucht ihr einen Termin und den bekommt ihr von mir - oder auch nicht.

Naives Dummchen oder Vorzimmerdrache

Als Assistentin der Geschäftsführung ist es meine Kernaufgabe, dem Chef, aber auch allen anderen, das Arbeiten zu erleichtern. Klar gibt es blöde Fragen und manchmal denke ich mir schon, dass ihr selbst im Firmen-Intranet nachschauen könntet. Aber das würde ich Euch nie ins Gesicht sagen. Ich helfe immer und sage höchstens: "Ich glaube, darüber haben wir schon gesprochen."

Professionell zu reagieren, ist das A und O in meinem Job. Manchmal habe ich wütende Kunden am Telefon, da kann ich nicht sagen: "Schreien Sie mich nicht so an, ich kann doch auch nichts dafür." Selbst wenn das stimmt. Ich bin ein Aushängeschild für das Unternehmen, denn alle - Kunden, Mitarbeiter, Dienstleister - landen als erstes bei mir.

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Es gibt drei gängige Klischees zu Assistentinnen: Entweder sind sie das junge, naive Dummchen, das sich den ganzen Tag die Nägel lackiert, gerade mal das Telefon bedienen kann und abends mit dem Chef Cocktails trinkt. Dann gibt es den bösen Vorzimmerdrachen, der eifersüchtig über Terminkalender und Wohlbefinden des Chefs wacht, und mit dem die Mitarbeiter es sich keinesfalls verscherzen sollten. Oder sie ist die gute Seele, die sich aufopferungsvoll um alle kümmert und stets Schmerzmittel und Schokolade in der Schublade hat.

Ein Dummchen bin ich nicht. Aber ein bisschen was vom Vorzimmerdrachen und der guten Seele steckt schon in mir. Meine Kollegen sagen über mich: "Die Vicky ist die Fee mit dem Zauberstab." Egal, was gebraucht wird, ich mache es möglich oder versuche es zumindest. Den Satz "Dafür bin ich nicht zuständig" werdet ihr nie von mir hören, genauso wenig wie "Das weiß ich nicht" oder "Ist mir doch egal".