Wein aus Asien Tropische Tropfen

In Thailand und anderen Ländern Südostasiens entsteht eine eigene Weinbaukultur. Die "New Latitude Wines" stammen von den ungewöhnlichsten Weinbergen der Welt.

Von Patricia Bröhm

Wenn die Mangobäume und die weißblühenden Frangipani-büsche nicht wären, man könnte fast glauben, man sei in der Toskana oder im südfranzösischen Languedoc: Sanfte grüne Hügelkuppen rahmen sorgfältig gepflegte Weinberge ein, auf einer Wiese weiden Kühe, eine leichte Brise geht. "Willkommen im europäischen Teil von Thailand", sagt Prayut Piangbunta, der junge Manager und Kellermeister des Weinguts. Er sagt das in akzentfreiem Deutsch, denn er hat sein Handwerk an der Weinbauschule im schwäbischen Weinsberg gelernt. Sein Wissen setzt Prayut nun im eigenen Land ein. Mit großem Erfolg - sein Landgut ist ein Beispiel dafür, dass einige Länder Südostasiens inzwischen auf gutem Weg sind, sich als Weinbauregionen zu etablieren.

Wein aus Asien: ungewöhnliche Weinberge.

(Foto: Foto: Bröhm)

Wer die "P.B. Valley Winery" im Khao Yai Nationalpark besucht, muss ein paar Thailand-Klischees über Bord werfen. Zwei Autostunden nordöstlich von Bangkok liegt Khao Yai (wörtlich: Großes Gebirge), der größte Nationalpark des Landes, von der Unesco 2005 zum Weltkulturerbe erklärt. Unberührte Wälder, Wasserfälle, wilde Orchideen, freilebende Elefanten - selbst ein paar Tiger und Leoparden sollen noch herumstreifen. Für Prayut aber ist Khao Yai vor allem eines: das beste Terroir des Landes: "Wir haben hier das Potential, zum thailändischen Napa Valley zu werden", glaubt der 36-Jährige. Große Worte. Andererseits findet sich derzeit wohl kaum jemand im Land, der mehr Erfahrung mit dem tropischen Weinbau aufweisen kann als Prayut.

Vor etwa zehn Jahren pflanzte er die ersten Reben in die fruchtbaren Lehmböden von Khao Yai. Er experimentierte mit verschiedenen Rebsorten. Riesling und Müller-Thurgau wollten nicht gedeihen, Cabernet-Sauvignon und Pinot Noir lieferten geringe Erträge. Bestens eingelebt haben sich dagegen die rote Rebsorte Shiraz und der Weiße Chenin Blanc. Er passt mit seinen Aromen von tropischen Früchten wie Litschi, Guave und Melone besonders gut zur scharf gewürzten Thai-Küche. Aber auch auf seinen fruchtigen Tempranillo ist Prayut stolz, und derzeit experimentiert er mit der Sorte Dornfelder.

Moderne Kühl- und Bewässerungstechnik ebenso wie gezieltes Weinbergmanagement machen es heute möglich, Reben auch in den Tropen anzupflanzen. In dem wachstumsfördernden Klima wären prinzipiell zwei bis drei Ernten pro Jahr möglich, doch Prayut zwingt die Pflanzen durch Rebschnitt, nur einmal pro Jahr zu tragen. Bei zwölf Sonnenstunden täglich gelangen die Trauben während der Trockenzeit im Winter innerhalb von gut vier Monaten zur Reife, im Februar beginnt die Lese. Geerntet wird ausschließlich per Hand, zu Lohnkosten, von denen europäische Winzer nur träumen können. Wegen der subtropischen Hitze werden die Trauben bei Nacht eingebracht und vor der Pressung einen Tag lang gekühlt.

Thailands Weinwirtschaft steckt zwar noch in den Kinderschuhen, aber sie steht für ein neues Schlagwort der Weinwelt, die "new latitude wines" - also Weine, die weit jenseits der klassisch für den Qualitätsweinbau als geeignet angesehenen Anbauregionen zwischen dem 30. und 50. Breitengrad gedeihen. Die Weinberge von Khao Yai liegen auf Höhe des 14. nördlichen Breitengrads. Ähnliches gilt heute für Rebstöcke, die neuerdings in Vietnam und Indonesien, vor allem aber in Indien, China und Japan angepflanzt werden. Auch europäische Winzer träumen schon von gigantischen neuen Zielgruppen, die in den fernöstlichen Metropolen heranwachsen, da ist es nur logisch, dass visionäre Unternehmer die Zeiten für lokale Gewächse gekommen sehen.

Thailand zählt heute eine Handvoll ernstzunehmender Weingüter. Dahinter stecken keine internationalen Investoren, sondern kapitalstarke inländische Eigentümer. Château de Loei, der Weinbaupionier im Nordosten des Landes, gehört der Familie, die auch das weltberühmte "Oriental Hotel" in Bangkok besitzt. Die P.B. Valley Khao Yai Winery wurde von einem der Hauptaktionäre der Singha-Brauerei gegründet. Rund eine Million Flaschen Wein werden heute im Land abgefüllt, ein Teil davon wird bereits exportiert.

Abnehmer sind vor allem Thai-Restaurants, von Japan und Singapur bis Großbritannien und Dänemark. Doch auch die Nachfrage im eigenen Land wächst. Eine junge, gut ausgebildete Mittelschicht hat die Weinkultur für sich entdeckt, in Bangkok entstehen die ersten Weinbars und Vinotheken. "Heute gilt es auch unter jungen Thai als cool, Wein zu trinken und Ahnung zu haben", sagt Malcolm Omond, der für die sieben Restaurants des Luxushotels "Four Seasons" in Bangkok zuständig ist. "Und schließlich: Wer hätte vor 20 Jahren geglaubt, dass aus Neuseeland eines Tages so gute Weine kommen könnten?", fragt er. Im hauseigenen Thai-Restaurant Spice Market verkauft sich die Marke Monsoon Valley gut, vor allem Touristen ordern gerne lokalen Wein zum Essen.

Hinter Monsoon Valley steht die ambitionierte Siam Winery, 1996 gegründet von Chalerm Yoovidya, dem Erfinder des Energy-Drinks Red Bull. Sieben verschiedene Weine hat sein Weingut im Programm, darunter ist ein würziger Roter aus der lokalen Sorte "Pok Dum". Die Trauben dazu wachsen eine Stunde südlich von Bangkok in den wohl ungewöhnlichsten Weinbergen der Welt, von den Bauern floating vineyards genannt, schwimmende Weinberge.

Das Anbaugebiet ist von Hunderten kleinen Kanälen durchzogen, die Reben wachsen auf schmalen Inseln, die im Wasser zu schwimmen scheinen. Das ist nicht nur pittoresk, sondern erleichtert auch die Bewässerung. Seit Anfang Dezember ist die junge deutsche Kellermeisterin Kathrin Puff für die Weine der Siam Winery zuständig. Die 29-Jährige, die bereits in Neuseeland und in der Toskana Erfahrungen sammelte, soll dem Thai-Team internationales Know-how vermitteln. Sie selbst reizt vor allem der Gestaltungsfreiraum, den die aufblühende Weinwirtschaft des Landes bietet: "In Europa ist man an so viele festgefahrene Normen gebunden", sagt sie. "Das hier ist Pionierarbeit."