Weihnachtsgeschenke für Kinder – Die Kinder-CD

Entwicklungsbeschleunigende Geschenke sind die Pest, das weiß man noch. All die Zählen mit Berti Bär- oder Rechnen mit Willi Wolf-Bücher, die diversen Farben-erkennen-Gerätschaften, Uhr-lesen-lernen-Apparaturen und Schnürsenkel-binden-Übungsstationen, deren bunte Optik über ihren tristen Zweck hinwegtäuschen sollen: Man hat sie natürlich besessen, aber immer gemieden. Geschenke sollen nicht schlau, sondern Spaß machen. Deshalb bekommt unser Sohn zu Weihnachten nichts Entwicklungsbeschleunigendes. Also, nicht von uns. Von anderen schon. An seinem ersten Weihnachten bekam er eine CD: Mozart für Babys. Wir stöhnten und legten sie auf. Es fing an mit dem Vogelfängerlied. Dann kam die kleine Nachtmusik. Dann kam der türkische Marsch, aber den hörten wir nur noch halb, weil der Sohn so laut plärrte. Übrigens schadet Mozart Babys nicht. Genau so wenig, wie ihnen Strawinsky, die Wildecker Herzbuben oder Motörhead schaden. Dieser Mozart aber klang, als habe er bekifft in einer Tropfsteinhöhle ein Xylophon-Konzert für die Teletubbies mit nur drei Fingern gespielt. Was nach dem türkischen Marsch kam, haben wir nie erfahren. Qualitativ war die CD aber hochwertig gearbeitet. Einen ganzen Winter lang haben wir damit die Windschutzscheibe freigekratzt.

Tanja Rest

Bild: iStockphoto 16. Dezember 2010, 08:532010-12-16 08:53:24 © SZ vom 16.12.2010/holl