Weihnachts-Stress "Wie ein Idiot"

Man möchte den Nachbarn tröstend über den Kopf streichen, wenn sie im Lift von ihrer vorabendlichen Konsumschlacht berichten - "Na, auch im Spielwarengeschäft gewesen?" "Nein, Elektrofachhandel. Ich kam mir vor wie ein Idiot aus einem Werbespot, als ich mit meinen Tüten wieder vor dem Ausgang stand". "Kenn ich. Wollte mir diesmal für meine Frau was ganz Besonderes einfallen lassen. War dann aber doch nur wieder beim Juwelier".

Wunschzettel wie diese machen Weihnachtsmänner ratlos.

(Foto: )

Eine Freundin klagt, sie sei völlig am Ende mit ihren Nerven, müsse 19 Geschenke ranschaffen. Von Schlaflosigkeit gequält, wälzt sie sich im Bett und überlegt, worüber sich wohl der Sohn ihrer Cousine, die Schwester ihrer Großmutter und die Tochter der Nachbarin freuen würden. Und wann sie das alles besorgen könnte. Der Kollege gesteht, er würde am liebsten blau machen, weil er doch noch all die Geschenke kaufen müsse und nicht weiß, wie er das sonst schaffen soll.

All die nutzlosen Vorsätze

Warum endet das immer wieder so, wohin verschwinden sie, unsere guten Vorsätze? Sollten wir uns nicht lieber etwas vornehmen, das wir schaffen können? Keine Geschenke mehr kaufen, zum Beispiel. Was, wenn das alles wegfiele und wir uns die ganze Kohle, die viele Zeit und die kostbaren Nerven sparen für das was wirklich zählt - und auch viel mehr Spaß macht: ehrliche Gespräche, Spenden für die, die es nötig haben, ein gutes Essen. Klingt nach Gutmensch? Klar, man ist ja auch ein besserer Mensch, wenn man entspannt ist.

Sicher, es gibt sie, diese gut organisierten Leute, die sich jedes Jahr am 24. Dezember zu einem "gemütlichen Weihnachtsbrunch" treffen, während unsereins kurz davor steht, den nächstbesten Mitmenschen mit dem nichtsnutzigen Christbaumständer zu erschlagen und anschließend zwischen Bergen von Geschenkpapier zu kollabieren. Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen: Ein gemütlicher Brunch am Weihnachtsmorgen - die reine Provokation! Mit so jemandem will man eigentlich nichts zu tun haben. Dass man nichts auf die Reihe kriegt, weiß schließlich jeder selbst. Da braucht es niemanden, der einem das eigene Versagen so schonungslos vor Augen führt.

Todesstern für Omi

Diese Menschen kaufen im Oktober schon ihre Geschenke, verpacken sie natürlich auch gleich und heften die Namen an die Verpackung. Unsereins hätte bis Dezember längst wieder vergessen, welches Geschenk in welcher Verpackung ist, so dass Omi versehentlich den Todesstern von Lego Star Wars bekommt und Papa das himmelblaue Frottee-Nachthemd. Nicht aber diese Menschen! Sie haben alles mit kleinen Zettelchen beklebt und perfekt verstaut, damit die Kinder es nicht schon vorher finden.

Wir wüssten bis Weihnachten wahrscheinlich schon gar nicht mehr, wo wir die Geschenke versteckt hätten. Würden am Morgen von Heiligabend alles auf den Kopf stellen. Das Ergebnis: Stress! Oder schlimmer noch: Wir würden uns gar nicht erst daran erinnern, dass wir bereits im Herbst alle Geschenke besorgt haben. Und fühlen uns noch mehr gestresst. Machen uns am 23. Dezember auf dem Weg in die Stadt - der Rest ist bekannt.

Lieber Herr von Eichendorff, Sie sehen, es hilft nichts. Die Zeit drängt, es gibt Dinge, die getan werden müssen: Sie wissen schon - Geschenke besorgen.