Victoria von Schweden Im Schatten der Königin

Auch wenn es Prinz Henrik zuweilen an Contenance mangelt, ist es nicht so, dass er eine lange Einführung ins Hofzeremoniell brauchte. Schließlich kam er als Henrie Marie Jean André Graf de Laborde de Monpezat zur Welt. Heute haben die Schlösser ihre Brücken heruntergelassen, die Bürgerlichkeit hält Einzug; in Norwegen wird ein Partygirl Königin, in Dänemark eine Juristin, in den Niederlanden eine Bankerin.

Victoria - Eine ganz normale Prinzessin

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Ein Fitnesstrainer fehlte noch im Portfolio des Hochadels. Westling muss sich seine Rolle mühsam erarbeiten - wie alle Bürgerlichen. Anruf im Stockholmer Schloss, die Dame am Telefon wiegelt freundlich ab, nein, ein Training wird es für Daniel Westling nicht geben. Es sei ja auch noch Zeit bis zur Hochzeit. Erstmal freue man sich über die gute Nachricht. Hej då! Auf Wiederhören!

Neuer Versuch, diesmal bei Jenny Alexandersson. Sie ist der mediale Leibwächter der Kronprinzessin. Seit sechs Jahren ist sie bei Svenks Damtidning, der schwedischen Damenzeitung, Victoria-Korrespondentin, reist mit ihr um die Welt. "Natürlich wird es ein Training für Daniel Westling geben", sagt die 33-Jährige. Es sei sogar eine Arbeitsgruppe am Hof gebildet worden. Etikette, Sprachen und Historie stünden auf dem Plan.

Offiziell bestätigen würde das natürlich keiner. "Vielleicht auch", meint sie, "weil Victoria ihn schon seit vier Jahren trainiert". Westling habe sich sehr verändert, sagt die Hofberichterstatterin, und meint damit nicht, dass er statt Ballonseide nun Anzüge trägt. Früher sei er vor Kameras weggerannt, heute sei er viel souveräner geworden. Er richte sich nicht mehr so sehr danach, was andere von ihm denken.

Und so ist man schon bei den Briten. Dort übt sich der Herzog von Edingburgh seit mehr als 60 Jahren an der Seite von Elisabeth II. in Zynismus. Der griechische Prinz gibt nichts auf political correctness, wofür ihn selbst Royalisten bewundern, beherrscht er das Protokoll doch ansonsten aus dem Effeff. Immer geht er einen Schritt hinter seiner Frau.

Das ist nicht immer gut, denn so hat sie ihn nicht im Blick. Einer Gruppe britischer Studenten in Peking riet er einmal bei einem Empfang: "Bleibt nicht zu lange hier, sonst kriegt ihr noch Schlitzaugen." Zur Eröffnungsfeier von Olympia 2012 in London werde er nicht erscheinen, kündigte er vor einer Weile an, das sei "Zeitverschwendung". Es gibt ganze Bücher seiner Ungehobeltheiten. Elizabeth II. ruft ihn, so die Kolportage, hinter Palastmauern zur Ordnung. Philip soll das schnuppe sein.

Ob Daniel Westling mit seiner Rolle zurechtkommt? Jenny Alexandersson ist davon überzeugt. "Er ist ein Mensch, der gern im Hintergrund ist", sagt sie. Von dort aus könne er sich in Ruhe zum Beispiel um die Förderung des Sports kümmern. Charity, die Kernkompetenz der Angeheirateten. Viele Frauen gehen darin auf, Königin Silvia macht sich für Kinder stark.

Masako von Japan aber, die Diplomatin mit Harvardstudium, erkrankte an der Schattenrolle. Westling werden keine akademischen Weihen im Weg stehen, er ist Kind einfacher Eltern aus Ockelbo, studiert hat er nie. Die Rolle des Prinzgemahls sei nicht übel, sagt Jenny Alexandersson: "Auf ihm lastet weniger Druck als auf der Königin." Er habe mehr Freiheiten - aber auch weniger Aufgaben.

Prinz Claus zerbricht an der Rolle

Damit ist man beim traurigsten Kapitel der neueren Adelsgeschichte. Claus von Amsberg, ein deutscher Diplomat, heiratete 1966 seine große Liebe, die niederländische Kronprinzessin Beatrix. Die unbeschwerte Zeit endete, als Beatrix 1980 Königin wurde. Als Prinzgemahl bekam er rein zeremonielle Pflichten zugewiesen, er litt darunter, keine substantielle Aufgabe mehr zu haben. Nach der Lockheed-Affäre seines Schwiegervaters Bernhard hatte das Parlament 1976 den diplomatischen Spielraum des Prinzgemahls stark eingeschränkt. Claus litt an schweren Depressionen, Zeit seines Lebens war er von Krankheit gezeichnet, am Ende von Parkinson. Der "traurige Prinz", so nannten ihn die Niederländer, starb im Jahr 2002.

Streiter aller Prinzgemahle, der traurigen, der zynischen und der wunderlichen, ist Henrik von Dänemark. Mehr als einmal monierte er, dass die Gattin eines Königs Königin heißt, der Gatte einer Regentin aber nur Prinz sei. Es gibt Ausnahmen wie die Prinz Ferdinands, der durch seine Heirat 1837 mit Maria II. von Portugal zum König wurde, die Regel ist aber, dass ein König einer Königin formal überstellt ist. Einen eingeheirateten König kann es nicht geben, sonst wäre er ja der Chef.

Einmal, als er sich wieder einmal zu wenig wertgeschätzt fand, forderte Prinz Henrik aus einer seltsamen Laune heraus eine Gewerkschaft der Königinnengatten. Die Dänen haben herzlich gelacht.

Die Hand am Thron

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