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Verhaltensregeln im Supermarkt:Nur der wohlerzogene Kunde ist König

Frau mit Einkaufswagen

Rasen, drücken, schieben - als Fahrer eines Einkaufswagens kann man viel falsch machen

(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Darf man sich im Supermarkt vor einem Nachbarn verstecken? Wollen Nektarinen gedrückt werden? Ist der Einsatz eines Warentrenners eine Kriegserklärung? Der tägliche Einkauf steckt voller Stolperfallen. Zehn wichtige Regeln, mit denen diese sich elegant mit dem Einkaufswagen umfahren lassen.

Dass man in einem Supermarkt höflich behandelt wird, ist für Kunden wünschenswert. Doch dürfen Mitarbeiter ebenfalls erwarten, mit Respekt behandelt zu werden? In einer Londoner Filiale der britischen Supermarktkette Sainsbury's weigerte sich kürzlich eine Kassiererin, eine Kundin zu bedienen, weil sie sich von dieser ignoriert fühlte. Die Dame sprach in ihr Handy, während ihre Ware über das Band lief.

Die Betroffene beendete daraufhin ihr Gespräch und bemerkte spitz zu der Frau an der Kasse: "Entschuldigung, mir war nicht klar, dass man bei Sainsbury's an der Kasse kein Telefon benutzen darf." Daraufhin hätte die Mitarbeiterin geantwortet: "Sehen Sie, man lernt nie aus."

Wie recht sie zumindest diesbezüglich hatte. Die Szene zeigt, dass Einkaufen mitunter eine komplexe Angelegenheit sein kann und mehr Fähigkeiten erfordert, als Ware in den Wagen zu legen und zu bezahlen. Das taktische Minenfeld erstreckt sich indes nicht nur auf die Dienstleistungsfrage, sondern betrifft auch das Verhalten der Kunden untereinander. Etwa wenn es um die Frage geht: Was tun, wenn man seinen Ex oder die tratschsüchtige Nachbarin an der Wursttheke trifft?

Zehn Regeln für den wohltemperierten Einkauf

Im Allgemeinen greifen dort, wo keine eindeutigen Regeln existieren, Höflichkeit und gesunder Menschenverstand. Weil das zwar super klingt, jedoch nicht immer funktioniert, gilt es, sicherheitshalber ein paar Ratschläge zu beherzigen:

1) Wichtigstes Thema beim Einkaufen: das Schlangestehen. Nur weil sie so heißt, ist die Vorderachse des Einkaufswagens noch lange nicht dazu gedacht, sie dem Vordermann in die Achillessehne zu rammen. Viel schöner fühlt es sich für alle Beteiligten an, wenn jeder das natürliche Distanzbedürfnis fremder Menschen respektiert und einen Mindestabstand von etwa einem halben Meter einhält.

2) Sicherheitshalber wird an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass die daraus resultierenden Lücken nicht dazu missbraucht werden sollten, sich mit einem gemurmelten "Oh, da ist ja noch frei!" hineinzuquetschen.

3) Wird eine weitere Kasse eröffnet, während man ganz hinten in der Schlange steht, sprintet man nicht an den anderen vorbei, um seinen Einkaufswagen dort in der Pole-Position zu platzieren, sondern wartet kurz ab, wer sich vor einem aus der Schlange löst und wechselt. Dann erst reiht man sich dahinter ein - so wird die Reihenfolge aufrecht erhalten.

4) Ebenso unbeliebt machen sich jene Kunden, die sich an der Kasse anstellen und ihren Einkaufswagen als Platzhalter zurücklassen, um dann erst ihre Einkäufe zu erledigen. Wer mit einem hektischen "Bingleichwiederda!" um die Ecke verschwindet, darf sich nicht wundern, wenn er seinen Wagen als abgeschobene Randfigur in der Obsttheke wiederfindet.

Warentrenner sind nicht böse

5) Auch wenn sich so mancher Kunde immer wieder davon angegriffen fühlt: Warentrenner zu verwenden, ist keine Kriegserklärung. Man sollte sich also ruhig dafür bedanken, wenn der Vordemann den kleinen Plastikbalken aufs Band legt. Allerdings nicht zu überschwänglich und ohne Augenkontakt, bemerkt der Guardian-Blog "Shortcuts" zu diesem Thema: "Sie sind schließlich beim Einkaufen, nicht beim Speed-Dating."

6) Alle, die sich beim Anblick bekannter Gesichter reflexartig wegducken, erhalten hiermit die Absolution. Für Konversation ist weder Zeit, noch ist ein Supermarkt der geeignete Ort. Man wirkt gehetzt und ist nicht bei der Sache. Der Guardian schreibt auf seinem Blog: "Es ist ok, Bekannte zu ignorieren oder sich notfalls vor ihnen zu verstecken. Das ist sogar ein Zeichen von Höflichkeit. Seien Sie also nicht beleidigt, wenn jemand dasselbe bei Ihnen macht."

7) Wenn sich ein Gespräch nicht umgehen lässt, sollte man sich kurz fassen. Vor allem: immer in Bewegung bleiben, weiterschieben und nicht mitten im Durchgang stehen bleiben.

8) Gratisproben eignen sich nicht als Mahlzeit! Sicher ist es in Ordnung, ein Stück Käse von der freundlichen Dame mit dem weißen Häubchen anzunehmen. Und natürlich passt dazu hervorragend eine Weißbrotwürfelprobe von der Bäckertheke nebenan. Auch am Weinstand ist man herzlich willkommen - solange man die Runde nicht immer wieder von vorne durchläuft.

9) Es versteht sich von selbst, unverpackte Ware wie Obst oder Brot nur anzufassen, wenn man sie wirklich kaufen will. Wer darauf besteht, den Reifegrad von Nektarinen oder Kiwi per Fingerdruck-Technik zu überprüfen, sollte wenigstens ein kleines Tütchen als Hygieneschutz über die Hand stülpen.

10) Abschließend noch eine Ergänzung zum Thema Kasse: Egal, wie oft Sie das an diesem Tag, in diesem Jahr oder in Ihrem Leben schon gefragt wurden - es ist trotzdem nicht angebracht, darauf zu antworten: "Nein, ich habe keine verdammte Kundenkarte, verflucht nochmal!"