Verbraucherschutz:Widersprüchliche Signale

Einfach, aber nicht genial: Auch Ampel-Farben auf Lebensmitteln verraten dem Verbraucher nicht, ob er sich gesund ernährt.

Daniela Kuhr

Ampeln sind eine praktische Erfindung. Selbst Kleinkinder wissen, was sie bedeuten: bei Rot stehen, bei Grün gehen. Und gerade weil das so einfach ist, wollen Verbraucherschützer die Farbsignale häufiger einsetzen. Warum nur im Verkehr? Sie könnten doch auch den Weg durch das verwirrend große Angebot an Lebensmitteln im Supermarkt weisen.

Ernährungsampel, dpa

Kritik an der Ernährungsampel: Sie ist nicht differenziert genug, da sie keine genauen Zahlenwerte anzeigt und Lebensmittel grob in Farben einteilt.

(Foto: Foto: dpa)

Wenn es nach den Verbraucherschützern geht, dann sagen uns Ampelfarben auf der Verpackung künftig, ob ein Lebensmittel zu viel Fett hat, zu viel Zucker oder zu viel Salz. Grün heißt: Wir dürfen unbesorgt zugreifen. Gelb heißt: nicht zu viel davon. Und Rot heißt: Finger weg. Ein klare Ansage, die auf einen Blick zu erfassen sei - im Gegensatz zu den komplizierten Nährwert- und Kalorienangaben, die sich auf vielen Verpackungen finden.

Auch die Krankenkassen halten die Ampel für sinnvoll, um Fehlernährung und Übergewicht vorzubeugen. Trotzdem lehnt die schwarz-gelbe Koalition sie ab.

Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner hat das aus Anlass der Grünen Woche, die an diesem Freitag beginnt, bekräftigt - und sich den Vorwurf eingehandelt, der Industrie näher zu stehen als den Verbrauchern. Dabei spricht tatsächlich einiges gegen die Lebensmittel-Ampel.

Eine Diät-Cola würde drei grüne Punkte bekommen, da sie weder Fett noch Zucker noch Salz enthält. Bio-Apfelsaft dagegen würde wegen des Zuckers schlechter abschneiden. Die Ampel signalisiert also: Verbraucher sollten lieber zu Diät-Cola greifen als zu Bio-Apfelsaft. Dass der Saft ein vitaminreiches Naturprodukt ist und mit Wasser verdünnt wird, spielt bei ihr keine Rolle.

Zudem sind drei Farben sehr wenig und die Spannen daher groß. So sollen Lebensmittel mit einem Fettgehalt von drei bis 20 Prozent alle gelb markiert werden. Dabei haben drei Gramm Fett 27 Kalorien und 20 Gramm Fett 180 Kalorien. Diesen Unterschied würde die Ampel nicht widerspiegeln.

Und was ist mit Produkten, die sowohl grüne als auch rote Punkte haben. Sind sie gut oder schlecht? Die Beispiele zeigen: Durch die Ampel wird es nicht einfacher, es sieht allenfalls einfacher aus. Ob etwas gesund ist, erfährt man auch bei dieser Kennzeichnung nicht.

Natürlich müssen Fehlernährung und Übergewicht bekämpft werden. Deshalb sollten Nährwert- und Kalorienangaben, jeweils in Prozent zum Tagesbedarf gesetzt, verbindlich vorgeschrieben werden. Der Verbraucher muss wissen, wie viel Fett, Zucker, Salz und Kalorien ein Produkt enthält - aber in Zahlen, nicht in Farben. Denn er braucht Fakten, keine Wertungen. Nur er weiß, was und wie viel er an dem Tag schon gegessen hat. Und deshalb kann auch nur er beurteilen, ob die Pizza noch erlaubt ist oder nicht.

Gesunde Ernährung lässt sich nicht anhand eines einzelnen Lebensmittels beurteilen. Es kommt auf die Gesamtschau an. Wer die Angaben auf den Verpackungen nicht versteht, würde die widersprüchlichen Signale der Ampel erst recht nicht verstehen.

© SZ vom 15.01.2010/dog/bre
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