US-Studentenverbindungen:Wie Will Ferrell zum Systemkritiker wurde

Auch deshalb wird nun das Verbindungsleben an US-Universitäten hinterfragt. Kürzlich äußerte sich der Schauspieler Will Ferrell dazu. Der war während seiner Zeit an der University of Southern California ein Mitglied von Delta Tau Delta, in "Old School" verkörpert er Frank the Tank, einen langweiligen Mittdreißiger, der angetrunken zum Partylöwen mutiert.

Ferrell sagte: "Der Vorfall in Oklahoma liefert ein veritables Argument dafür, dieses ganze System abzuschaffen." Will Ferrell spricht öffentlich über das Ende studentischer Verbindungen. Das ist, als würde Don King das Ende des Boxsports fordern.

Will Ferrell

Der Schauspieler Will Ferrell - hier in einer Filmszene - war früher selbst Mitglied einer Studentenverbindung.

(Foto: AP)

Diskretion seit dem 18. Jahrhundert

Die Verbindungen in den USA entstanden Ende des 18. Jahrhunderts aus den intellektuellen Salons an Eliteuniversitäten, ihre Mitglieder repräsentierten damals den typischen Studenten: männlich, weiß, privilegiert.

Mittlerweile gibt es mehr als 80 verschiedene Fraternities mit Ablegern an den vielen der knapp 800 Colleges. Wer aufgenommen werden möchte, der muss Prüfungen absolvieren.

Deschaumes darf nicht über die Rituale seiner Verbindung sprechen, Diskretion ist eine der wichtigsten Regeln. Er sagt nur: "Es ist eine Zeit, in der die Kandidaten über sich nachdenken können."

Diese fehlende Transparenz mag zum Mythos der Verbindungen beitragen und auf manche Menschen faszinierend wirken, doch trifft genau das den Kern der Anschuldigungen: Die Verbindungen regulieren sich selbst, die Unis haben keinen Einfluss, ihre Mitglieder halten dicht.

"Das war wie Folter"

Justin Stuart hat gesprochen. Er hatte sich 2012 beim Ableger von Sigma Alpha Epsilon an der Salisbury University beworben. Er sei mit einem Paddel geschlagen worden, habe in einem mit Eis gefüllten Mülleimer ausharren müssen, er sei neun Stunden lang im Keller ohne Essen, Trinken und Toilette eingesperrt worden. Er habe bis zur Bewusstlosigkeit saufen und sich Frauenkleider und Windeln anziehen müssen.

"Das war wie Folter, es erinnerte mich an Guantanamo Bay", sagte Stuart. Der SAE-Ableger wurde daraufhin suspendiert - die Geschichte ist damit jedoch noch nicht zu Ende.

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