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USA:Auf öffentlichen Toiletten ist Babywickeln Frauensache

Frauen und Babys bitte nach links: Der Wickeltisch befindet sich hierzulande fast immer im Damen-WC.

(Foto: Alessandra Schellnegger)
  • In den USA soll es per Gesetz bald auch Wickeltische in Männer-WCs geben.
  • In Deutschland ist man von so einer Regelung noch weit entfernt.
  • Der Deutsche Frauenrat findet andere Aspekte der Gleichberechtigung auch wesentlich drängender.

Mit einem kleinen Kind unterwegs im Kaufhaus. Es müffelt - die Pampers muss gewechselt werden. Die Augen der Eltern wandern suchend umher und finden das erlösende Schild in der Nähe der Rolltreppe. Also schiebt - natürlich die Mutter, schließlich hat das Strichmännchen auf dem Schild mit dem Wickeltisch ein Kleid an - den Kinderwagen in Richtung Damen-WC.

In den USA müssen diese Schilder bald alle ausgetauscht werden: US-Präsident Barack Obama hat vergangene Woche ein Gesetz unterzeichnet, das Wickeltische in öffentlichen Männertoiletten vorschreibt. Die neue Regelung mit dem Titel " Bathrooms Accessible in Every Situation", inhaltlich passend mit der Abkürzung BABIES versehen, sieht vor, dass jede öffentliche Männer- und Damentoilette einen sicheren, hygienischen und angemessenen Platz zum Wechseln einer Windel haben muss. Windeln wechseln ist in den USA damit also ab jetzt auch offiziell Männersache.

In Toilettenfragen sind die USA Vorreiter. Erst im Mai hatte die Regierung von Barack Obama offiziell in einem Schreiben an alle öffentlichen Schulen des Landes verfügt, dass Schüler in Schulen diejenige Toilette aufsuchen dürfen, die ihrem empfundenen Geschlecht entspricht. Die Stadt New York stimmte im Juni sogar für eine stadtweite Pflicht für Unisex-Toiletten.

Vereinzelt bauen zwar auch deutsche Städte Unisex-Toiletten - von einer stadt- oder gar bundesweiten Verpflichtung ist man in Deutschland aber noch weit entfernt. Zur Wickeltisch-Lage in öffentlichen Männertoiletten können die Stadtverwaltungen in Berlin, Stuttgart, Hamburg und Köln nichts sagen, ergab eine kurze Umfrage. Mit einer solchen Vorschrift habe man sich bisher nicht auseinander gesetzt und wer in der Verwaltung für so etwas zuständig ist, wisse man nicht.

Da ist Großbritannien schon fortschrittlicher. Dort befasst sich die British Toilet Association (BTA) mit der öffentlichen Wickeltischsituation. Ein Verband, der sich seit etwa 20 Jahren für mehr öffentliche Toiletten im Land einsetzt. "Damals hatte gerade einmal eine von zehn Männertoiletten einen Wickeltisch, heute beträgt der Anteil eher zwei Drittel", sagte Raymond Martin, Direktor des BTA, dem britischen Nachrichtensender BBC.

Prominente Unterstützung hatten Wickeltische in Männertoiletten vergangenes Jahr von Ashton Kutcher bekommen. Der Schauspieler regte sich in den sozialen Medien darüber auf, dass er nirgendwo Wickeltische in Männerklos finde. Er bot auf Facebook an, das erste Männer-WC mit Wickeltisch, das er betrete, öffentlich zu unterstützen.

In Deutschland machte sich Schauspielerin und Moderatorin Collien Ulmen-Fernandes vor drei Jahren ebenfalls stark dafür. "Warum gibt es im Jahr 2013 immer noch keine Wickeltische in öffentlichen Männer­klos? Und das in einer Zeit, in der es sogar WCs für "sexuell Unentschlossene" gibt", sagte sie in einem Interview mit dem Magazin Nido. Gleichberechtigung fängt für viele also durchaus bei der Frage an, ob es sowohl dem Vater als auch der Mutter möglich ist, das Kind zu wickeln.

Grundsätzlich sei das eine gute Idee mit dem Gesetz, findet auch Ulrike Helwerth vom Deutschen Frauenrat. "Bevor wir uns über Wickeltische in öffentlichen Männer-WCs unterhalten, müssten wir aber erst noch einmal über wichtigere Dinge, wie die Care-Responsibility von Vätern sprechen", sagt sie. Der Deutsche Frauenrat habe andere Punkte auf der politischen Agenda, wie eben eine gleichberechtigte Aufteilung der Verantwortung und Erziehung der Kinder zwischen Mutter und Vater.

Sie hätte aber einen Alternativvorschlag: Ein dritter, vom Geschlecht der Eltern unabhängiger Raum zum Wickeln auf öffentlichen WCs. Dann müsse auch niemand, der einfach nur zur Toilette wolle, den Eltern beim Auswechseln der vollgemachten Windel zuschauen.