Frauenrechte:Nachzügler in Sachen Elternzeit

Mutterschutz und Kinderbetreuung: weit hinter anderen Ländern

Ein Hoffnungsschimmer für Frauen ist Trumps Wahlkampfversprechen eines bezahlten Mutterschutzes. Neben Papua Neu-Guinea und Surinam gehören die USA hier weltweit zu den Nachzüglern. Bereits 180 Länder bieten Müttern nach der Geburt eine bezahlte Auszeit in irgendeiner Form an. Seit 1993 müssen in den USA Arbeitgeber ihren Angestellten zwar frei geben, wenn sie ein Kind bekommen, aber in den meisten Fällen erfolgt das auf Kosten der Eltern. Nur zwölf Prozent der Arbeitgeber zahlen das Gehalt weiter. Die Bundesstaaten Kalifornien, New Jersey und Rhode Island haben bereits ein Elternzeitgesetz implementiert, New York und der District of Columbia führen es gerade ein.

Konservative halten bezahlte Elternzeit bislang zwar für eine übermäßige Einmischung durch den Staat, doch im Moment scheint sich die Stimmung in Washington zu ändern. Es könnte jedoch sein, dass die Trump-Regierung eine bezahlte Auszeit nur für Frauen vorsieht, nicht für Väter.

Ein Schritt in die richtige Richtung ist das von Präsidententochter Ivanka Trump vorangetriebene Thema bezahlbarer Kinderbetreuung. Ein Gesetz soll die steuerliche Absetzbarkeit der Betreuungskosten möglich machen, so der Plan. Allerdings würde das den Haushalt laut Schätzungen mit 500 Milliarden Dollar belasten. Ob der teure Vorschlag durch den von den Republikanern dominierten Kongress kommt, darf angezweifelt werden.

Gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit: noch lange nicht

Verdient ein weißer Mann einen Dollar, bekommt eine weiße Frau für die gleiche Arbeit nur 80 Cent, hat das "Pew Research Center" herausgefunden. Schwarze Frauen verdienen im Vergleich zum Dollar eines weißen Mannes bloß 62 Cent und Latinas gar nur 57 Cent. (Auch bei Männern gibt es Einkommensunterschiede: Afro-Amerikaner und Latinos verdienen weniger als ihre weißen Kollegen.) Kritiker merken an, dass bei den Erhebungen nicht nach Beruf oder Erfahrung unterschieden wird. In Berufssparten, in denen entsprechende Vergleiche vorliegen, ist die Einkommenskluft jedoch bewiesen. So verdienen weibliche Ärzte etwa 20 000 Dollar weniger im Jahr als ihre männlichen Kollegen.

Es gibt zwar den "Equal Pay Act", der schlechtere Bezahlung aufgrund des Geschlechts verbietet, doch laut Frauenrechtlern wird diese Vorschrift so gut wie nie überprüft und geahndet.

Wie geht es weiter für die amerikanischen Frauen unter Trump?

In der amerikanischen Politik gibt es immer noch zu wenige Frauen. Obwohl sie 51 Prozent der Bevölkerung ausmachen, sind sie im Kongress nur mit 19 Prozent vertreten.

Um dies zu ändern, braucht es unter anderem mehr Beteiligung an demokratischen Prozessen. Der Erfolg des "Women's March" nährt vielerorts die Hoffnung, dass die Frauenbewegung Rückenwind bekommt. Die Organisatoren des Frauenmarsches haben für den Internationalen Frauentag am 8. März bereits zu der landesweiten Aktion "Ein Tag ohne Frau" aufgerufen. Alle Amerikanerinnen sind aufgerufen, mitzumachen. Sie sollen rote Kleidung tragen, an diesem Tag nicht arbeiten (also frei nehmen) und ihr Geld höchstens in kleinen Geschäften ausgeben, das Frauen oder Minderheiten gehört.

Viele zivilgesellschaftliche Organisationen bieten mittlerweile regelmäßig Workshops zur politischen Beteiligung an. Das Jahr 2017 könnte daher einen Rückschritt für die Frauenrechte in den USA bedeuten - oder den Beginn einer neuen Frauenbewegung.

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