Ungesunde Beziehungen Burn-out? Oft liegt es an der Partnerschaft

Wie wirkt sich die Ehe auf die Gesundheit aus? Betrachtet man wissenschaftliche Studien, lässt sich sagen: Es ist kompliziert.

(Foto: Illustration Jessy Asmus)

Wie gesundheitsschädlich ist die Ehe? In "Reden wir über Liebe" erklärt ein Spezialist für Psychosomatik, wann sich eine unglückliche Beziehung auf die Gesundheit auswirken kann.

Von Violetta Simon

Studien zufolge können miese Ehen krank machen. Andererseits lebt man als Single auch nicht gerade gesund, heißt es. Gernot Langs, Spezialist für Psychosomatik an der Schön-Klinik in Bad Bramstedt, löst die vermeintlichen Widersprüche auf. Und erklärt, wie sich eine unglückliche Beziehung auf die Gesundheit auswirken kann. Und warum die Ehe genausowenig das Problem ist wie das Single-Leben.

Süddeutsche Zeitung: Wissenschaftler haben herausgefunden, dass verheiratete Menschen länger leben als unverheiratete oder geschiedene. Woran liegt das?

Gernot Langs: In der Regel sind verheiratete Menschen beziehungsfähiger und stabiler. Die Frage ist, wer begibt sich in eine Partnerschaft und wie geht man miteinander um? Ehepaare kümmern sich mehr umeinander, so eine Beziehung ist ja keine Einbahnstraße. Was übrigens nicht untersucht wurde: Ob das auch für unverheiratete Paare gilt. Die achten schließlich genauso aufeinander.

Gesundheitlich profitieren vermutlich vor allem Männer von Ehe und Partnerschaft, richtig?

Stimmt, Frauen sind gesundheitsbewusster, passen mehr auf sich auf. Viele sind damit aufgewachsen, regelmäßig zum Gynäkologen zu gehen. Ihre Hemmschwelle, einen Arzt aufzusuchen, ist geringer. Somit motivieren sie ihren Partner, sich etwa auf Darmkrebs und an der Prostata untersuchen zu lassen. Gerade wenn man älter wird, ist es wichtig, dass wenigstens einer darauf schaut, dass beide gesund bleiben.

"Meist bestätigt sich der Verdacht"

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Ist es für die Gesundheit relevant, ob man verheiratet ist oder nur zusammenlebt?

Das hängt vom Umfeld ab und davon, ob die Verbindung von der Gesellschaft akzeptiert wird. Zudem hat sich die Bedeutung der Ehe verändert. Im französischen Königreich waren Ehen politisch motivierte Zweckverbindungen, für alles andere gab es Mätressen. Erst im 19. Jahrhundert kam die Idee der romantischen Liebe auf. In meiner Jugend, in den späten Siebzigerjahren, galt Heiraten als verpönt und spießig. Da war die Ehe nach allgemeiner Auffassung ein Eingriff ins Privatleben.

Wie ist es bei homosexuellen Paaren? Forscher haben herausgefunden, dass auch sie von der Ehe gesundheitlich profitieren.

Ja, die Studie stammt von der Universität Michigan. Bereits zuvor gab es Daten von Staaten, die entgegen des USA-weiten Trends, das Verbot der sogenannten Homo-Ehe aufrechterhalten oder die Ehe für alle wieder abgeschafft hatten. Und wissen Sie, was passierte? Die Suizidrate ging nach oben. In US-Staaten hingegen, in denen die Ehe für alle eingeführt wurde, waren verheiratete homosexuelle Paare gesünder. Es kommt also eindeutig darauf an, wie man mit Schwulen und Lesben umgeht.

Können Sie das genauer erklären?

Ich beschäftige mich mit dem Thema nicht nur auf wissenschaftlicher Ebene. Seit mehr als 20 Jahren lebe ich in einer schwulen Beziehung mit meinem Partner und kann aus eigener Erfahrung sagen: Dass dies in unserem Umfeld privat wie beruflich ohne Einschränkung akzeptiert wird, wirkt sich positiv auf unser Wohlbefinden aus. Bis heute können in bestimmten Regionen und Kulturkreisen homosexuelle Paare nicht offen zusammen leben. So gesehen kann die Ehe, als Legitimation der Beziehung, durchaus einen positiven Einfluss auf die Gesundheit haben.