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Unfälle in den Bergen:Wanderer halten Bergwacht auf Trab

Herbstzeit ist Bergzeit - doch viele Wanderer sind ungeübt und trauen sich zu viel zu. Schwere Unfälle häufen sich.

Das ist der Horror eines jeden Bergsteigers: Ein Fehltritt auf einem Steig, der Halt ist weg, der Sturz ins Leere. Genau das ist am vergangenen Wochenende einem Münchner passiert. Der 49-Jährige war mit Freunden am Watzmann unterwegs gewesen und stieg nun von der Südspitze ab. Über einer 150 Meter tiefen Felswand stolperte der Mann, er verlor den Halt, er fiel, der Sturz in den Tod erschien unausweichlich.

Ständig im Einsatz: Mehr als 1200 Mal rücken die Bergretter im Jahr aus, weil Wanderer und Kletterer Hilfe brauchen.

(Foto: Foto: dpa)

Doch dann - direkt vor dem Abgrund - blieb der Bergsteiger in einem Spalt hängen. In letzter Sekunde zogen ihn seine Freunde auf den Steig zurück. Der 49-Jährige erlitt nur eine Platzwunde am Kopf, Prellungen und einen Schock. "Er hatte unglaubliches Glück", sagt Franz Brandner von der Berchtesgadener Bergwacht. "An derselben Stelle ist vier Wochen zuvor ein Mann aus Baden-Württemberg tödlich abgestürzt."

Herbstzeit ist Bergzeit, zu Tausenden strömen Wanderer und Bergsteiger an schönen Tagen in die Alpen. "Ich war neulich selbst noch mal am Watzmann", sagt Karl Schrag, Ausbildungsleiter beim Deutschen Alpenverein. "Da waren garantiert 30 Kletterer in der Ostwand und oben auf dem Grat dürften es an die 200 Bergsteiger gewesen sein."

Bei einem solchen Andrang häufen sich die Unfälle. Es ist keine 14 Tage her, da meldete die Bergwacht fünf Tote - an einem einzigen Wochenende. Und die Berchtesgadener Retter haben heuer bereits zwölf tote Bergsteiger geborgen. "Das ist schon eine außergewöhnliche Serie", sagt Bergwacht-Mann Brandner. "Angesichts des optimalen Bergwetters und des Andrangs hier ist es aber kein Wunder, dass es auch Unfälle gibt."

Tatsächlich bewegt sich die Zahl der Bergunfälle in Bayern seit Jahren immer in etwa im selben Bereich. Zwischen 1249 und 1483 Einsätze pro Jahr listet die Bergwacht-Statistik seit 2004 wegen verunglückter Wanderer, Bergsteiger und Kletterer auf. Wobei die Mehrzahl der Einsätze nicht etwa abgestürzten Kletterern und Bergsteigern galt, sondern verunglückten Wanderern. Das schlägt sich auch bei den tödlichen Unfällen nieder: Von den 50 Bergtoten 2008 waren 31Wanderer, 15 Bergsteiger und vier Kletterer. "Zudem sind Alpinisten stets routinierte Leute, die sich auf ihre Touren sorgfältig vorbereiten."

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