Umweltschutz:Vor Wut kochen

Die Schülerin Lea Elçi ist 15 und hat ein Kochbuch mit klimafreundlichen Rezepten geschrieben. Hier erzählt sie von kleinen Schokostückchen, vom Lautwerden und warum sie genau einmal im Jahr Fleisch isst.

Protokoll: Peter Burghardt

Lea Elci - Umessen

Gemeinsam mit ihrem Vater Koral hat sich Lea Elçi, 15, klimafreundliche Rezepte ausgedacht.

(Foto: Seren Dal/Brandstätter Verlag)

"Ich bin mit gutem Essen groß geworden. Schon als Kind habe ich immer alles probiert. Pfannkuchen zum Beispiel mochte ich gar nicht so. Dafür habe ich mit eins auf Wasabi-Nüssen herumgekaut und mit meiner Oma türkische Teigfladen gemacht. Mein Vater Koral Elçi ist Koch. Er leitet hier in Hamburg die Kitchen Guerilla, die für Kantinen, Restaurants oder Veranstaltungen Menüs zusammenstellt. Meine Mutter ist Konditorin.

Einmal, ich war zehn oder elf, haben meine Schwester und ich geweint, als wir Schweine in einem Lastwagen auf der Autobahn sahen. Seitdem esse ich kein Fleisch mehr. Ich hatte immer diese Bilder von Massentierhaltung im Kopf. Ich kann das nicht mehr vertreten, diese schlimmen Bedingungen, ohne Rechte für die Tiere. Nur noch einmal im Jahr esse ich Fleisch, an meinem Geburtstag, dem 23. Dezember. Da macht mein Vater Wildschweingulasch.

Ich bin jetzt nicht die große Köchin, will auch nicht Köchin werden. Trotzdem: Ernährung spielt so eine große Rolle, jeder ist jeden Tag damit beschäftigt. Was können wir essen? Es hängt wahnsinnig viel daran. Auch die Verpackungen, der abgeholzte Regenwald und so weiter. Das Buch hat eigentlich als Schulprojekt angefangen. Ich gehe in die Waldorf-Schule in Hamburg-Altona, 10. Klasse. Da sollten wir uns ein Thema ausdenken. Also habe ich überlegt: Was ist mir wichtig, was ist mir nah? Und da kam mir die Idee mit dem Kochbuch. Das Buch ist eine Sammlung meiner Favoriten und auch ein Vater-Tochter-Projekt. Klimafreundliche Rezepte für mehr Nachhaltigkeit. Die meisten sind vegetarisch, nur zwei mit Fisch sind dabei. Auch die Fischindustrie ist krass umweltbelastend.

Ich habe für das Buch viele Gespräche geführt, die Interviews stehen zwischen den Rezepten. Zum Beispiel mit meinem Vater oder mit der früheren Verbraucherschutzministerin Renate Künast von den Grünen oder mit dem Koch Tim Mälzer. Ich habe sie einfach angeschrieben, hat geklappt.

Natürlich gibt es nicht den einen perfekten Weg. Weniger Fleisch und weniger tierische Produkte - das muss man immer sagen. Aber es soll auch nicht die ganze Zeit um schlechtes Gewissen gehen. Kakao zum Beispiel braucht viel Wasser. Ich verzichte aber nicht vollkommen auf Schokolade. Man sollte sie einfach mehr wertschätzen und weniger, dafür ausgewähltere Schokolade essen; es richtig zelebrieren.

Generation Greta? Viele Erwachsene sagen das, wegen der Klimaschützerin Greta Thunberg. Ich tue mir schwer, für meine Generation zu sprechen. Aber es geht mir wirklich um dieses Thema. Wie schaffen wir Veränderung? Wir dürfen nicht zugucken. Es ist einfach, den Klimawandel zu verdrängen, er ist ja nicht so greifbar. Aber wir alle wissen, dass es den Klimawandel gibt.

Natürlich esse auch ich manchmal Pommes. Und wenn ich mit meinen Freundinnen und Freunden zur Dönerbude gehe, dann bestelle ich Falafel. Manche von ihnen sind jetzt auch immer mehr vegan. Wir müssen umdenken - und umessen. Deswegen heißt mein Buch auch so.

Ich habe im Internet und in Büchern viel über den Klimawandel gelesen und Filme darüber gesehen. Alles ist sehr komplex und manchmal frustrierend. Mir macht das Angst, je mehr ich mich damit auseinandersetze. Ich werde da wirklich emotional. Wut? Ja, auch. Und klar, es ist auch anstrengend, sich so viele Gedanken zu machen, aber jetzt habe ich schon mal angefangen damit und kann nicht wieder aufhören. Wir müssen laut werden."

Rezepte von Lea

Restegemüse

Umweltschutz: Copyright: Seren Dal/Brandstätter Verlag

Copyright: Seren Dal/Brandstätter Verlag

Backofen auf 220 Grad vorheizen. Übriggebliebenes Gemüse (etwa Zwiebel, rote Bete, Karotte, Pastinake...) schälen und in mundgerechte Stücke schneiden und mit 4 EL Olivenöl, 1 Zweig Rosmarin, 1 Zweig Thymian, Salz und Pfeffer in einer Schüssel vermengen und dann 20 Minuten bissfest garen. Dazu passt gut ein Kräuterquark: 250 g Quark mit einer Prise Zucker, Salz und Pfeffer und der Schale von ½ Zitrone vermengen. Nach Belieben Kräuter dazu hacken (Petersilie, Schnittlauch, Staudensellerie).

Zucchini-Puffer

Umweltschutz: Copyright: Seren Dal/Brandstätter Verlag

Copyright: Seren Dal/Brandstätter Verlag

4 Zucchini mit der Küchenreibe grob reiben und zu 2 verquirlten Eiern geben. 1 Bund Frühlingszwiebeln in Ringe schneiden und zusammen mit ½ Bund gehackter Dill und Minze, 4 EL Mehl, Salz und Pfeffer dazugeben. Mit einem Esslöffel portionieren und in reichlich neutralem Öl frittieren. Als Dip eignet sich gut ein Sahnejoghurt, gewürzt mit Sumach und Salz. Kann man auch als Snack super gut kalt essen!

Blitzeis

Umweltschutz: Copyright: Seren Dal/Brandstätter Verlag

Copyright: Seren Dal/Brandstätter Verlag

100 g Walnusskerne grob hacken. 100 g Zucker in einer beschichteten Pfanne bei kleiner Hitze schmelzen, Nüsse unterrühren. Sobald das Karamell Blasen schlägt, gut verrühren, auf ein Backpapier streichen und auskühlen lassen. 200 g tiefgekühlte Beeren mit 100 g griechischem Joghurt mit dem Passierstab cremig mixen. Mit Vanillezucker oder Honig süßen, Krokant zerbröselt unter die Eismasse rühren - das ist der Knaller!

© SZ vom 18.09.2021
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB