Umstrittene Aktion bei McDonald's Leselust fördern

Dem setzt die deutsche Stiftung entgegen: "Das ist so die Standard-Kritik. Für uns steht die Verantwortung von McDonald's für gesunde Ernährung nicht im Fokus des Projekts", sagt Sprecherin Bettina Müller zu Süddeutsche.de. Vorher sei das Plastikspielzeug kritisiert worden, nun eben das Buch. Dabei sei die Aktion eine "Riesenchance" für die Leseförderung. "Jede Form, frühzeitig mit Büchern in Berührung zu kommen, ist sinnvoll."

Über den Burger-Giganten könne man außerdem eine große und sehr "heterogene Bevölkerungsgruppe" erreichen, sagt Müller. "So können wir auch weniger bildungsaffine Leute mit Büchern in Berührung bringen, das ist sonst besonders schwer." Die Stiftung habe auch schon viele Zuschriften von Bibliotheken und Leseclubs bekommen, die sich für die Aktion aussprechen. McDonald's selbst verfolgt nach Angaben der Presseabteilung keinen erzieherischen Anspruch und will den Kindern "einfach nur ein besonders schönes Geschenk machen".

Wegen Büchern ins Schnellrestaurant?

Komplett uneigennützige Ziele vertritt der Konzern freilich nicht. Seit Jahren bemüht sich McDonald's um ein "grüneres" Image, angefangen beim Wechsel der Logo-Farbe - das goldene "M" steht jetzt vor einem grünen und nicht mehr roten Hintergrund - bis zu Projekten zur Nachhaltigkeit. Künftig will sich das Unternehmen stärker als Familienrestaurant präsentieren, wie Marketingvorstand Matthias Becker in einem Interview mit der Fachzeitschrift Werben & Verkaufen sagte. Deshalb werde sowohl das Happy Meal ausgebaut, als auch neue Spielecken eingerichtet.

Dass die Kinder nun scharenweise ihre Eltern in eine McDonald's-Filiale zerren und Burger verspeisen, weil sie dort ein Buch statt einer Plastikfigur bekommen, ist eher abwegig. "Aber eine erste Hürde ist genommen", sagt Müller von der Stiftung Lesen. Und mit einem Bio-Supermarkt hätte man aber auch zusammengearbeitet.