Süddeutsche Zeitung

Umfrage:Was Männer und Frauen für die ideale Arbeitszeit halten

  • Eine Studie hat ermittelt, was die Wunscharbeitzeit von Männern und Frauen ist. Vor allem Väter würden demnach gerne deutlich weniger arbeiten.
  • Die Wunschhöhe unterscheidet sich allerdings je nach Familienmodell.
  • Mütter im Osten Deutschlands wollen zudem nach einer Babypause deutlich schneller wieder in den Job starten.

Könnte eine Familie sich das perfekte Modell schnitzen, wer wann wie lange arbeitet, sähe das etwa so aus: Frauen steigen wieder in den Beruf ein, wenn ihr Kind gut drei Jahre alt ist - und zwar in Teilzeit. Als ideale Arbeitszeit nennen Männer durchschnittlich 35 Stunden, Frauen wären 28 Stunden lieber. Diese Wunschkonstellation in Familien hat das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ermittelt. Zwischen Ost und West gibt es wieder einige Unterschiede.

Nach dem richtigen Zeitpunkt für den Wiedereinstieg von Müttern in die Erwerbstätigkeit gefragt, nennen Frauen im Durchschnitt drei Jahre und zwei Monate nach der Geburt des Kindes. Wenn der Nachwuchs mindestens sieben Jahre alt ist, so die Ansicht, sei dann wieder eine Arbeit in Vollzeit möglich. Das IAB, eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat für diese Studie 6500 Frauen und 5600 Männer bundesweit repräsentativ befragt, alle im Alter zwischen 18 und 60 Jahren.

Früher auf den Arbeitsmarkt zurückkehren möchten hingegen vor allem Frauen, die in Ostdeutschland leben: Wenn das Kind zwei Jahre und vier Monate alt sei, wollen sie wieder in Teilzeit durchstarten. Dies geben vor allem Mütter an, die in einer Partnerschaft leben, also nicht alleinerziehend sind, und deren Kinder unter drei Jahre alt sind.

Die Forscher wollten außerdem wissen, ab welchem Alter Eltern ihre Kinder am frühesten in Kindertagesstätten sehen. Zu einer Ganztagesbetreuung würden die Befragten ihre Kinder am liebsten erst mit fünf Jahren und vier Monaten bringen. Für die stundenweise externe Betreuung von Kindern geben Frauen das Alter von zwei Jahren und sieben Monaten an.

"Die Altersgrenze für eine externe Kinderbetreuung wird von Frauen also deutlich früher angesetzt als die Altersgrenze für die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit. Dies ist ein Hinweis darauf, dass eine außerfamiliäre Kinderbetreuung nicht nur unter dem Aspekt der Erwerbsaufnahme gesehen wird, sondern auch anderen Zielen wie der frühkindlichen Bildung dient", sagen die Wissenschaftler Torsten Lietzmann und Claudia Wenzig, die die IAB-Studie geleitet haben.

Alleinerziehende arbeiten mehr

Auch eine Grundlage für die Debatten über die Einführung einer Familienarbeitszeit per Gesetz liefert die Studie. Gerade im anstehenden Wahlkampf wird der Vorstoß von Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) immer wieder hochploppen, wonach berufstätige Eltern beide ihre Wochenarbeitszeit auf 28 bis 36 Stunden reduzieren sollen.

Hier kommt die Untersuchung des Instituts zu klaren Aussagen: Die tatsächliche Arbeitszeit bei erwerbstätigen Frauen beträgt in Deutschland im Durchschnitt 30 Wochenstunden, gewünscht werden lediglich 28. Bei berufstätigen Männern sind es momentan real 43 Wochenstunden, die Befragten wollen aber im Idealfall weniger arbeiten - nämlich 35 Stunden.

Auch die Familienkonstellationen haben die Forscher unter die Lupe genommen: Demnach wünschen sich kinderlose Frauen ohne Partner 32 Wochenstunden im Büro, kinderlose Frauen mit Partner 28 Stunden. Die geringste Zahl nennen Frauen, die in einer Partnerschaft leben und Kinder zwischen drei und sechs Jahren haben, sie möchten 22 Stunden arbeiten. Bei den befragten Männern übrigens unterschieden sich die Arbeitszeitwünsche je nach Familienkonstellation kaum.

Wesentlich mehr arbeiten würden laut Studie vor allem Alleinerziehende mit Kindern unter sechs Jahren - um finanziell besser über die Runden zu kommen. Und außerdem Frauen in Paar-Haushalten mit Kindern ab sechs Jahren, die aus dem Gröbsten heraus sind.

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Quelle:
SZ vom 12.04.2017/gal
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