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Corona-Krise:Es geht uns überraschend gut

Wie kommen Sie in Zeiten von Corona klar? Seit Beginn der Kontaktsperre fragt die SZ Ihre Leserinnen und Leser danach - mehr als 8000 Menschen haben bisher gemeinsam ein Stimmungsbild der Krise gezeichnet.

Es geht uns gut, größtenteils, immer noch. Auch nach einer mehrere Monate andauernden Krise, nach mehrwöchigen Ausgangsbeschränkungen, auch angesichts der anhalten Bedrohung durch ein noch immer unberechenbares Virus. Die meisten von uns scheinen, was die Stimmung angeht, verhältnismäßig gut durch diese Corona-Krise zu kommen.

Das zeigt die Auswertung einer SZ-Leserumfrage. Kurz nach Beginn der Ausgangsbeschränkungen Mitte März haben wir das kollektive Tagebuch der Corona-Krise gestartet und Sie gefragt: Wie geht es Ihnen, wie geht es uns allen in dieser Zeit? Weil diese Frage gerade mehr ist als Small Talk; weil wir einen gemeinsamen Gemütszustand über die Wochen und Monate dieser Krise hinweg dokumentieren wollen; und weil wir mit persönlichen Geschichten und Eindrücken auch die Möglichkeit zu Erfahrungsaustausch und Trost bieten wollen. Die überraschendsten, berührendsten und witzigsten Beiträge finden Sie auf dieser Seite.

Der Online-Fragebogen zu dieser SZ-Leseraktion wurde mittlerweile mehr als 8000 Mal bis zum Ende ausgefüllt, mehr als 4000 Einsendungen mit eigenen Erfahrungsberichten haben uns schriftlich, per Sprachnachricht oder Video erreicht und mehr als eine halbe Million Mal haben uns Teilnehmende über dieses Stimmungsbarometer mitgeteilt, wie Sie sich gerade fühlen. Vielen Dank an alle fürs Mitmachen!

Die Ergebnisse davon, ein kollektives Stimmungsbild an den einzelnen Tagen und die Entwicklungen im Zeitverlauf, sehen Sie in der Übersichtsgrafik oben. Auch wenn die Teilnehmerzahlen mitunter von Tag zu Tag schwanken, kristallisiert sich doch heraus: Der helle Bereich in den farbigen Säulen überwiegt durchweg - und damit die Zahl der eher positiven Antworten. Der Farbverlauf von hell nach dunkel repräsentiert anteilig die abgegebenen Stimmen an den jeweiligen Tagen - je heller, desto positiver auf einer Skala von 0 bis 100. (Der Mittelwert von 50 liegt im orangeroten Bereich.)

In der folgenden Grafik haben wir die wichtigsten Zäsuren dieser Krise markiert - ob sie unmittelbar Auswirkungen auf die allgemeine Stimmungslage hatten, bleibt angesichts vieler Einflussfaktoren offen. Es zeigt sich aber, dass der dunkle Bereich, der für eine eher schlechte Stimmung steht, zwischendurch zunimmt. Ein Indiz dafür, dass sich der kollektive Gemütszustand eher verdüstert, je länger die Ausgangsbeschränkungen andauern.

Für diese Deutung spricht auch, dass sich gerade in den vergangenen Tagen, in denen früher als erwartet weitgehende Lockerungen bei den Corona-Regeln verkündet wurden, die Stimmung wieder etwas zu heben scheint: Der helle Farbanteil wächst leicht.

Im Fragebogen zum kollektiven Tagebuch haben wir aber nicht nur nach Ihrer Stimmung gefragt, sondern auch nach Wohn-, Job- und gesundheitlicher Situation. Und hier zeigen sich im Vergleich zur initialen Datenauswertung vor einem Monat, die in etwa die erste Woche der Umfrage abbildete, überraschend wenig Veränderungen - was die insgesamt immer noch positive Stimmungslage erklärt. Nach wie vor gibt etwa die überwältigende Mehrheit für die Zeit von Anfang April bis Anfang Mai an, dass gesundheitlich alles in Ordnung ist.

Ähnlich sieht es beruflich aus: Für den Großteil hat sich von der ersten Phase der Krise bis heute eher wenig verändert. Das ist eine Aussage, der mittlerweile sogar mehr Menschen als in der ersten Auswertung zustimmen. Womöglich weil nun einige bereits wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren konnten.

Die Grafiken können einen Eindruck vermitteln, wie die Menschen in der Corona-Krise zurechtkommen. Ein weitergehender Vergleich der beiden Zeiträume ist allerdings schwierig, weil die Teilnehmerzahlen variieren und eine für alle offene Leseraktion nicht repräsentativ sein kann. So haben zum Beispiel deutlich mehr Frauen (etwa 60 Prozent) als Männer teilgenommen - ungewöhnlich für diese Art der Befragung. Und das Gros der Teilnehmenden gehört der Altersgruppe der 30- bis 59-Jährigen an, die Jüngeren und Älteren sind unterrepräsentiert.

Die überwiegende Mehrheit wohnt außerdem mit einem Partner oder einer Partnerin oder der Familie zusammen - auch das könnte wie die Altersverteilung die eher positive Stimmung erklären, weil die psychische Belastung durch die Isolation im Vergleich zu Alleinlebenden geringer ist.

Wenn Sie im kollektiven Tagebuch blättern, selbst an der Umfrage teilnehmen oder uns einen Erfahrungsbericht, ein Video oder eine Sprachnachricht schicken wollen, freuen wir uns - klicken Sie einfach hier:

© SZ.de/vwo

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