Typisch deutsch:Was den Deutschen peinlich ist

Typisch deutsch: Nasenbohren: ja, aber nur heimlich.

Nasenbohren: ja, aber nur heimlich.

(Foto: Illustration: Jessy Asmus/ Sz.de)

Wie viele Menschen in der Bundesrepublik bohren heimlich in der Nase? Wie viele lieben ihren Partner wirklich? Ein Buch verrät, wie unsere Landsleute ticken.

Von Violetta Simon

Spießer, Saubermann, Langweiler - das Image der Deutschen ist nicht gerade dazu prädestiniert, andere Nationen für sich einzunehmen. Aber sind wir nicht mehr als ein Haufen Gartenzwergsammler und Hasenfüße? Der Autor Christoph Drösser hat sich dieser Frage angenähert und ein halbes Jahr lang in mehr als 80 repräsentativen Umfragen herauszufinden versucht, was uns Deutsche ausmacht: Was uns bewegt, wovor wir uns fürchten, was wir mögen. Herausgekommen ist das Buch "Wie wir Deutschen ticken". Hier eine Auswahl

Was uns peinlich ist

Die eigene Musik: Generell werden Männer seltener vom Gefühl der Peinlichkeit geplagt als Frauen. 28 Prozent hören hin und wieder Musik, zu der sie sich niemals öffentlich bekennen würden. Doch je älter wir werden, umso weniger sind wir bereit, uns zu verstellen. Während beispielsweise drei Viertel der über 55-Jährigen zu ihrem Musikgeschmack stehen, ist mehr als der Hälfte der Studierenden und Auszubildenden die eigene Playlist peinlich.

Heimlichtuer: Wenn niemand guckt, tut es jede zweite Frau: In der Nase popeln. Von den Männern lassen sich 62 Prozent dazu hinreißen. 36 Prozent der Deutschen fröhnen heimlich Fressanfällen. 38 Prozent pinkeln hin und wieder dort, wo sie schwimmen - fast ebenso viele beim Duschen.

Liste der Peinlichkeiten: Dass ihm in Gesellschaft ein Pups entfleucht, ist der Umfrage zufolge die mit Abstand peinlichste Situation, die einem Deutschen widerfahren kann - dicht gefolgt von der Vorstellung, dass man über einen Kollegen lästert und dieser das Gespräch mithört. Mehr als jeder Zweite fände es blamabel, wenn er eine vertrauliche E-Mail versehentlich an den falschen Empfänger schicken würde. Immerhin 45 Prozent der Deutschen würde es in größte Verlegenheit bringen, wenn sie aus einem wichtigen Meeting kämen und bemerken, dass die ganze Zeit ihr Hosenschlitz offen war. Oder sie in einer geselligen Situation feststellen müssen, dass ihr Hemd völlig durchgeschwitzt ist. Ein Drittel würde es in Verlegenheit bringen, wenn sie im Gespräch eine große Lücke im Allgemeinwissen offenbarten.

Wovor wir uns fürchten

Zukunftsängste: Noch mehr als Umweltkatastrophen fürchten die Deutschen persönliche Schicksalsschläge. Ganz oben auf der Liste steht jedoch nicht der eigene Tod - davor fürchten sich nur 42 Prozent -, sondern das Unglück eines engen Freundes oder Familienmitgliedes (72 Prozent), gefolgt von der Angst vor einem Unfall, Armut und Einsamkeit im Alter und Arbeitslosigkeit. 31 Prozent denken mit einem ängstlichen Gefühl an ihre Zukunft, 27 Prozent können manchmal nicht schlafen, weil sie Ängste plagen. Generell fürchten sich Frauen mehr als Männer - einzige Ausnahme: 32 Prozent der Männer haben Angst davor, verlassen zu werden. Bei den Frauen sind es nur 25.

Typisch deutsch: Elf Prozent der Deutschen finden, sie trinken zu viel.

Elf Prozent der Deutschen finden, sie trinken zu viel.

(Foto: Illustration: Jessy Asmus/ Sz.de)

Furcht vor Krankheit: Am meisten Angst macht den Deutschen die Vorstellung, eine Krebsdiagnose gestellt zu bekommen (65 Prozent), eine Behinderung zu erleiden (60) oder an Alzheimer zu erkranken (59). Mehr als die Hälfte fürchtet sich davor, einen Herzinfarkt zu erleiden.

Wie die Deutschen mit Alkohol umgehen

Gewohnheitstrinken: Wenn es um Alkohol geht, klaffen Selbstbild und Realität auseinander: 70 Prozent der Deutschen trinken mehr oder weniger regelmäßig, aber nur 11 Prozent sind der Meinung, sie trinken zu viel.

Filmriss: Dabei sind die Konsequenzen nicht leicht zu ignorieren: Fast jeder Zweite hat in alkoholisiertem Zustand schon einmal Dinge gesagt, die er nüchtern für sich behalten würde. Jeder Fünfte hatte schon einmal Sex mit einer Person, die er sonst nicht attraktiv finden würde. Und mehr als ein Drittel (37 Prozent) kann darüber nichts sagen - Filmriss. Besonders peinlich: Fünf Prozent sind am nächsten Morgen neben einer Person aufgewacht, an die sie sich nicht erinnern konnten.

Wie die Deutschen zu ihrem Gewicht stehen

Kampf gegen die Pfunde: Nur ein Drittel der Deutschen ist mit seiner Figur zufrieden (die Männer etwas mehr als die Frauen). Der Rest steht unter der Fuchtel der Waage und kämpft mit Diäten - drei Viertel von ihnen mit dem Jojo-Effekt. Der Studie zufolge sind 40 Prozent der Deutschen heute dicker als vor fünf Jahren, ebenso viele konnten ihr Gewicht halten. Nur ein Fünftel wiegt weniger als damals.

Realitätscheck: Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Vermutlich deshalb haben manche so viele Kleidungsstücke im Kleiderschrank, die ihnen eigentlich längst nicht mehr passen. Das trifft bei 29 Prozent der Männer zu - der Anteil der Frauen, die sich einreden: "Das passt mir nächstes Jahr sicher wieder" ist bedeutend höher, nämlich 46 Prozent. Fest steht: Je älter man wird, desto realistischer schätzt man seine Chance ein, sein Idealgewicht jemals zu erreichen: Ab 55 Jahren haben 43 Prozent die Hoffnung aufgegeben.

Die Deutschen als Freunde

Wahre Freundschaft: Mit der Bezeichnung "Freund" gehen die Deutschen sparsam um: Die meisten haben deutlich weniger als zehn Freunde. Der Studie zufolge gibt es in unserem Leben im Durchschnitt vier Personen, die wir als echte Freunde bezeichnen und für die wir alles stehen und liegen lassen würden, wenn sie einen Schicksalsschlag erleiden. Etwa doppelt so viele zählen wir zu den so genannten guten Bekannten, die wir privat gerne treffen.

Geliebter Kumpel: Zu ehemaligen Liebschaften haben nur 13 Prozent ein freundschaftliches Verhältnis. Freundschaften zwischen Männern und Frauen hält fast jeder dritte Mann für möglich, während Frauen sich lieber dem eigenen Geschlecht anvertrauen - nur 14 Prozent haben einen besten Freund. Mehr als ein Viertel der Deutschen haben überhaupt keinen besten Freund.

Die Deutschen und der Fußball

Typisch deutsch: Deutsche lieben Fußball.

Deutsche lieben Fußball.

(Foto: Illustration: Jessy Asmus/ Sz.de)

Echte Fans: 62 Prozent der Männer und 48 Prozent der Frauen bezeichnen sich als fußballbegeistert. 57 Prozent der Deutschen mit einem Haushaltseinkommen über 3500 Euro gehen mehrmals im Jahr ins Stadion - in der niedrigeren Einkommensgruppe sind es nur 26 Prozent.

Beliebteste Jobs: Von wegen, auf den Sofas der Republik sitzen lauter verkappte Bundestrainer! Der Umfrage zufolge träumen deutsche Männer und Frauen davon - wenn sie in dieser Branche einen Job wählen dürften -, einen Fußballverein zu managen. Danach folgen Mittelfeld, Tor, Sturm. Der Trainerposten ist - vor der Abwehr - der unbeliebteste.

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