Twitter-Aktion #MeTwo offenbart alltäglichen Rassismus in Deutschland

Die Debatte um Özils Rücktritt aus der Nationalelf ist mittlerweile mehr als ein Konflikt zwischen einem Fußballer und dem DFB.

(Foto: AP)
  • Tausende Menschen berichten auf Twitter unter #MeTwo, wie sie im Alltag diskriminiert werden.
  • Damit solidarisieren sie sich auch mit Mesut Özil: Der Fußballer hatte bei seinem Rücktritt aus der Nationalmannschaft Rassismus in der Gesellschaft beklagt.
Von Janis Beenen

In Deutschland erleben etliche Menschen mit Migrationshintergrund jeden Tag Rassismus. Unter dem Hashtag #MeTwo berichten sie nun auf Twitter über Vorurteile und offene Anfeindungen, mit denen sie umgehen müssen. Es sind kurze Geschichten, die derzeit für Aufmerksamkeit im Netz sorgen. Ein junger Mann berichtet, dass er auf Anfragen bei Wohnungsportalen keine Antwort bekomme - seine deutsche Freundin bei den gleichen Angeboten hingegen sofort eine Rückmeldung erhalte.

Gestartet hat die #MeTwo-Aktion der Journalist Ali Can. Schon häufiger machte er auf Fremdenfeindlichkeit in Deutschland aufmerksam - unter anderem in seinem Buch "Hotline für besorgte Bürger". In einem Video des Web-Magazins Perspective Daily rief er nun dazu auf, von Diskriminierung im Alltag zu berichten. Dabei nimmt er auch Bezug auf Mesut Özil. Der Fußballer hatte sich bei seinem Rücktritt aus der Nationalmannschaft über Rassismus in Deutschland und dem DFB beklagt. Viele Menschen solidarisierten sich bereits mit Özil und unterstützen seine Kritik an der deutschen Gesellschaft.

Der Hashtag spielt auf die Kampagne #MeToo an, in der Frauen Sexismus- und Gewalt-Erlebnisse schildern. Das "Two" im Titel #MeTwo greift zudem ein Gefühl auf, das auch Özil beschrieben hat: Er sprach von "zwei Herzen" - einem deutschen und einem türkischen. Viele, die sich nun äußern, fühlen ähnlich. Sie wollen zwei Kulturen leben.

Durch die Twitter-Kampagne bekommt die Debatte um Özil eine neue Ebene: Es geht um mehr als einen Profifußballer, den DFB-Präsidenten und Politiker-Meinungen zu ihrem Schlagabtausch. Tatsächlich erleben Menschen mit Migrationshintergrund in ihrem Alltag hierzulande unerträgliche Situationen. Sie würden nicht in den Bus gelassen oder von den Eltern der Freundin unfair behandelt und führen das auf ihre Herkunft zurück, wie sie erzählen.

Einige Twitter-Nutzer sprechen offen über ihre Gefühle. Eine junge Frau erzählt, dass sie für das vietnamesische Essen ihrer Mutter in der Schule gehänselt worden sei. Doch sie habe sich nie getraut, daheim davon zu berichten.

Und manchmal sind es nur einfache Sätze, die für viele recht unverdächtig wirken, die einen Menschen verletzen können.

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