Kolumne „Schön doof“Jetzt machen wir auch ’nen Deal!

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Noch ein Deal gefällig? Donald Trumps Sprache färbt ab.
Noch ein Deal gefällig? Donald Trumps Sprache färbt ab. MANDEL NGAN/AFP

Soll lustig sein, ist aber unendlich bitter: Wie sich die Sprache von Donald Trump auch in Deutschland ausbreitet.

Eine Kolumne von Tanja Rest

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Deutschland im Sommer 2025: Die Gewissheiten bröseln. Bei Lorenzo Corno in Schwabing kostet die Kugel Eis aktuell 2,70 Euro, im Biergarten gibt es anstelle von Radler jetzt Hopfen-Spritz mit Gurkenscheibe, die Bundestagspräsidentin ist mit einem Quizmaster liiert. Und wenn zwei Lager unterschiedlicher Couleur inhaltlich zusammenfinden, erreichen sie keine „Einigung“ mehr, sie „verständigen“ sich auch auf nichts, sie unterzeichnen erst recht kein „Abkommen“. Sondern sie „machen einen Deal“.

„Der nächste Big Deal von Eintrachts Sport-Vorstand Markus Krösche (44) mit der Premier League innerhalb eines halben Jahres!“, jubelte gerade der Sportteil der Bild. Womöglich sind die Kollegen einfach sehr wirtschaftsaffin. Wahrscheinlicher aber ist, dass der Große Sprachdiktator aus Washington die Vorlage geliefert hat. Und nicht nur die.

Weiß irgendeine müde Seele noch, was sich ursächlich hinter dem „Big Beautiful Bill“ verbarg? Ein ödes deutsches Bürokratenwort ist dafür selbstverständlich vorhanden, es lautet „Steuer- und Ausgabengesetz“. Viel lustiger und anspielungsreicher – zwinker, zwinker, Kinder, was sind wir heute wieder hinterfotzig! – ist es aber, dieses absurde Paragrafenwerk in die ihm angemessene Begrifflichkeit zu kleiden. Und wer könnte hier punktgenauer formulieren als der „White House Speech Pope Himself“? Ein „großes schönes Gesetz“ ist es für weite Teile der hiesigen Presse also geblieben (und selbst diese Zeitung, jedweder Zeitgeist-Marotte sonst mit Todesverachtung trotzend, ist diesbezüglich nicht ganz unschuldig).

Weitere Big-Beautiful-Beispiele gefällig? Markus Söder, bayerischer Ministerpräsident: „Bayern first“. Das Handelsblatt: „Länderfinanzausgleich – warum ,Bayern first‘ keine Lösung ist.“ Die FAZ: „Von ,Drill, Baby, Drill‘ ist wenig zu spüren.“ Wirtschaftswoche: „Drill, Baby, drill! Erst in Bayern – dann im Bund?“ Handelsblatt: „Make Schulden Great Again.“ Und jetzt ganz tief Luft geholt, ihr Pflastersteineschmeißer aus dem linken Lager; die ihr ein Schandblatt lest, dessen Methodik dieselbe Bundestagspräsidentin, die zurzeit den Quizmaster liebt, soeben mit dem rechtspopulistischen Portal Nius verglichen hat. Die taz also: „Twitter makes Hubsi Aiwanger great again“.

Lustig? Irgendwie überhaupt nicht. Wenn sogar Tagesschau.de das vom „Wording Commander in Chief“ geforderte „Resettlement“ der Palästinenser mit „Umsiedelung“ übersetzt, anstatt von Deportation oder Vertreibung zu schreiben, hat der Sprachwissenschaftler Victor Klemperer wahrscheinlich recht behalten. Er notierte im Jahr 1947, aus einem ganz anderen Anlass: „Worte können sein wie winzige Arsendosen: sie werden unbemerkt verschluckt, sie scheinen keine Wirkung zu tun, und nach einiger Zeit ist die Giftwirkung doch da.“

Bon Appétit.

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SZ PlusVon Tanja Rest (Text) und Natalie Isser (Fotos)

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