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Tourismus - Magdeburg:Tourismus im Land legt weiter zu: Weniger ausländische Gäste

Magdeburg (dpa/sa) - Der Tourismus in Sachsen-Anhalt hat auch im Jahr nach dem Reformationsjubiläum zugelegt. Allerdings ergab sich das Plus 2018 nur aus Inlandsgästen. Bei den ausländischen Touristen gab es ein deutliches Minus. Zwischen Januar und Dezember wurden 8,23 Millionen Übernachtungen in den Beherbergungsbetrieben im Land gezählt und damit 1,2 Prozent mehr als noch 2017, wie der Präsident des Statistischen Landesamts, Michael Reichelt, am Mittwoch in Magdeburg sagte. Die Übernachtungen ausländischer Gäste gingen um 12,5 Prozent auf etwa 556 000 zurück.

Wirtschaftsminister Armin Willingmann (SPD) sagte, der Rückgang bei den ausländischen Gästen sei bedauerlich, aber nach dem Reformationsjubiläum auch verständlich. Damals hatte Sachsen-Anhalts Tourismus deutlich zugelegt und erstmals die Marke von acht Millionen Übernachtungen überschritten, viele ausländische Gäste trugen zu dem Ergebnis bei. Nun will Willingmann gegensteuern: "Wir müssen stärker werben." Ausländische Gäste müssten stärker angesprochen werden. Er werde bei der zuständigen Investitions- und Marketinggesellschaft darauf dringen. Konkreter wurde er nicht.

Die Niederländer bilden dem Statistischen Landesamt zufolge schon seit Anfang der 1990er Jahre die größte ausländische Gästegruppe. Aber auch dort gab es ein Minus im Vergleich zum Jahr 2017: Die Zahl der niederländischen Gäste ging um rund 5 Prozent auf etwa 41 000 zurück, die Zahl der Übernachtungen sogar um rund 10 Prozent auf 87 700. Auf den Plätzen 2 bis 5 der ausländischen Herkunftsländer fanden sich Dänemark, Polen, die Schweiz und Österreich. Auf Platz acht standen die US-Amerikaner. Dort fiel der Einbruch besonders stark aus: bei den Gästen und Übernachtungen gab es ein Minus von um die 37 Prozent.

Insgesamt kamen den Statistikern zufolge im vergangenen Jahr mehr als 3,43 Millionen Menschen (plus 1,4 Prozent) - vom Geschäftsreisenden bis zum klassischen Touristen - nach Sachsen-Anhalt. Gezählt wurden die Menschen, die in Beherbergungsbetrieben mit zehn und mehr Betten übernachteten. Sachsen-Anhalt liegt bei den Zuwachszahlen im Tourismus klar hinter dem bundesweiten Aufwärtstrend. Über alle Bundesländer lag das Plus bei vier Prozent, wie Reichelt sagte. Sachsen-Anhalt befinde sich mit seinem Zuwachs im unteren Drittel.

60 Prozent der Gäste, die nach Sachsen-Anhalt kommen, übernachten in Hotels. Als den großen Gewinner bezeichnete Reichelt die Campingplätze. Sie hätten 2018 im Vorjahresvergleich 12 Prozent Gäste hinzugewonnen und 13 Prozent Übernachtungen.

Und auch regional gab es sehr unterschiedliche Entwicklungen. Während der Harz wie der Fels in der Brandung stabil ein Drittel der Gesamtgästezahl beisteuerte und bei in- wie ausländischen Gästen weiter zulegte, gab es in Anhalt-Wittenberg deutliche Verluste. Nach den hohen Zahlen 2017 zum Reformationsjubiläum gingen in der östlichen Region des Landes die Gästezahlen aus dem Inland um 8,5 Prozent zurück, die Zahl der ausländischen Gäste um 17,4 Prozent.

Der tourismuspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion und Vorsitzende des Landestourismusverbandes, Lars-Jörn Zimmer, kritisierte die mangelhafte Nachhaltigkeit des Projektes Reformationsjubiläum. "Es reicht nicht, ein Projekt über Jahre mit Millionensummen zu fördern und dann anschließend darauf zu hoffen, dass es ein Selbstläufer wird", erklärte Zimmer. Das Land müsse touristische Projekte langfristig denken. Dazu gehöre für ihn eine institutionelle Förderung regionaler Tourismusverbände.