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Tourismus - Heide:Rund 90 Millionen Kohlköpfe warten auf die Ernte

Agrar
Ein Transparent mit der Aufschrift "Dithmarscher Kohltage" hängt an einem Anhänger auf einem Kohlfeld. Foto: Markus Scholz/dpa (Foto: dpa)

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Heide (dpa/lno) - Bei bestem Herbstwetter sind am Dienstag im Beisein von Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) die Dithmarscher Kohltage eröffnet worden. Startschuss war der traditionelle Kohlanschnitt auf einem Acker nahe Heide. Bis Mitte November wollen die rund 170 Betriebe in Europas größtem zusammenhängenden Kohlanbaugebiet rund 90 Millionen Kohlköpfe in Handarbeit von den Feldern holen. Im Jahr 2019 betrug die Kohlkopfernte in Dithmarschen nach Angaben der Landwirtschaftskammer rund 234 000 Tonnen.

Der Kohl gilt als Markenzeichen Dithmarschens. "Der Kohlanbau ist wirtschaftlich und kulturell wichtig für die gesamte Region, die Kohlernte ist die fünfte Jahreszeit Dithmarschens", sagte Albrecht. 2014 wurde das vitamin- und mineralstoffreiche Gemüse ins europäische Qualitätsregister eingetragen und genießt seither EU-Herkunftsschutz.

Dithmarscher Kohl wird in diesem Jahr auf rund 3100 Hektar angebaut. Hauptsächlich waren es nach Angaben des Gemüseanbauerverbands Weißkohl mit einer Anbaufläche von insgesamt 1965 Hektar (2019: 1909 Hektar) und Rotkohl mit 470 Hektar (2019: 437 Hektar). Auch Blumenkohl, Rosenkohl, Spitzkohl und Wirsing wurden angebaut.

Der Dithmarscher Kohl wird überwiegend per Hand geerntet und in Kisten gelegt, damit die natürliche Wachsschicht des Kohls erhalten bleibt. Grund ist, dass ein Kohlkopf mit Druckstellen nur schwer in den Lagern überwintern kann. Es bestehe das Risiko, dass er verfault, hieß es. Gut die Hälfte der insgesamt rund 250 000 Tonnen Kohl-Ernte kommt direkt in die Kühllager. Der Rest wird großenteils in Fabriken weiterverarbeitet - unter anderem zu Salaten und Sauerkraut. Nur ein kleiner Teil gelangt als Frischgemüse über Hofläden, Wochenmärkte oder Lebensmitteldiscounter direkt auf die Teller der Menschen.

Wegen der Corona-Pandemie wurde der traditionelle Kohlanschnitt in diesem Jahr nur in kleinstem Kreis auf dem Acker gefeiert. Wer mitfeiern wollte, konnte das Event im Internet bei Facebook und Instagram verfolgen, wie Kreissprecherin Melanie Kaacksteen sagte. "Die traditionelle Großveranstaltung mit rund 3000 Gästen gibt es dieses Jahr nicht."

Geschützt hinter Deichen gilt Dithmarschen als Deutschlands "Kohlkammer". Die Region entwickelte sich dank günstiger Boden- und Klimaverhältnisse in rund 130 Jahren vom Getreide-Land zum Kohl-Acker.

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