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Tourismus - Hamburg:Rostocks OB Madsen hält Beherbergungsverbot für übertrieben

Corona
Claus Ruhe Madsen, Oberbürgermeister von Rostock, steht im Bürgerschaftssaal neben dem Stadtlogo. Foto: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild (Foto: dpa)

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Rostock (dpa/mv) - Rostocks Oberbürgermeister Claus Madsen hält die Einreisebeschränkungen und das Beherbergungsverbot für Urlauber aus deutschen Risikogebieten in Mecklenburg-Vorpommern für übertrieben. "Wenn sich alle vernünftig verhalten, sind die Menschen aus den Corona-Risikogebieten nicht gefährlicher als andere", sagte der parteilose Chef von Mecklenburg-Vorpommerns größter Stadt in einem Interview des Berliner "Tagesspiegels" (Samstag). Wer Fieber habe oder sich schlecht fühle, sollte nicht arbeiten gehen oder im Restaurant essen. "Aber wer am Strand entlang spaziert, ist doch nicht gefährlich", sagte Madsen. Hinzu komme, dass Hotels strikte Hygienevorgaben hätten.

"Die wahren Risiken liegen doch woanders: bei den großen Familienfeiern oder den Reiserückkehrern, die von solchen Feiern kommen", sagte Madsen. Der Tourismus sei nicht das Problem. Er könne die Landesregierung verstehen, die auf Vorsicht setze und Menschen schützen wolle. "Aber für uns vor Ort sind die Hygiene- und Quarantäne-Regelungen eine schwere Belastung." Hinzu komme, dass bei den Reisebeschränkungen kaum noch jemand durchblicke. Außerdem: Die Menschen kämen trotzdem und ließen sich dann testen. "Das ist ein Problem. In unserer Klinik werden die Testkapazitäten fast vollständig von Urlaubern aufgezehrt."

In Mecklenburg-Vorpommern müssen Touristen aus Corona-Risikogebieten auch bei einem negativen Testergebnis für mindestens fünf Tage in Quarantäne. "Ich frage mich auch manchmal, wie lange sie bleiben, damit sich das lohnt. Man sitzt doch nicht fünf von sieben Tagen im Zimmer." Madsen betonte, dass die Quarantäne gleichwohl überwacht werde. "Aber das kostet jede Menge Manpower in unseren Ämtern. Wir schichten ständig Mitarbeiter um, wir sind inzwischen fast eine reine Kontrollbehörde." Von positiv getesteten Urlaubern habe er bislang noch nichts gehört. "Das größere Problem sind Covid-19 positive Seeleute. Die haben zwar nie Rostock betreten, aber weil ihr Schiff bei uns im Hafen liegt, werden sie als Rostocker Fälle gezählt."

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