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Tourismus - Erfurt:Touristische Hinweisschilder wirken: Nachfrage groß

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"Thüringer Holzland" steht auf einer Werbetafel an der Autobahn 4. Foto: Bodo Schackow/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild (Foto: dpa)

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Erfurt (dpa/th) - Allen Auto-Navigationssystemen und digitalen Karten in Smartphones zum Trotz: In den vergangenen Jahren sind immer mehr touristische Hinweisschilder an Thüringens Straßen aufgestellt worden. Diese analogen Tafeln haben nach Auffassung unter anderem von Tourismusverantwortlichen trotz aller Trends zur Digitalisierung einen spürbaren Effekt darauf, wo Ausflügler hinfahren.

Solche Schilder etwa entlang von Autobahnen sollen Reisende dazu animieren, abzufahren, um sich Sehenswürdigkeiten aus der Nähe anzusehen, sagte beispielsweise der Sprecher des Wirtschaftsministeriums, Stephan Krauß, in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. Aus Studien wisse man, dass diese Wirkung auch tatsächlich erzielt werde. "Insofern haben die Hinweisschilder durchaus auch weiterhin ihre Berechtigung."

Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums und der Thüringer Tourismusgesellschaft hat die Hochschule Harz im vergangenen Jahr die Wirkung von touristischen Hinweisschildern an den Autobahnen unter 1100 Autofahrern mit einer Umfrage untersucht. Dabei gaben zwei Drittel der Befragten an, dass sie sich an konkrete Schilder sowie die darauf abgebildeten Sehenswürdigkeiten, Städte oder Landschaften erinnern könnten. Nur vier Prozent der Umfrageteilnehmer erklärten, sie hätten die Tafeln noch nie gesehen.

Zudem ist demnach immerhin jeder sechste Befragte mindestens einmal spontan dem Hinweis auf ein besonderes Reiseziel auf den braun-weißen Tafeln gefolgt. Dafür hätten zwei Drittel dieser Reisenden zusätzliche Fahrzeiten von bis zu 30 Minuten in Kauf genommen. Etwa 40 Prozent der Befragten hätten sich sogar für noch mehr solcher Schilder entlang der Autobahnen ausgesprochen.

Derartige Wünsche sind in den vergangenen Jahren nicht nur an den Autobahnen, sondern auch an anderen Thüringer Straßen offenbar erfüllt worden. Eine genaue Zahl, wie viele solcher Schilder im Bereich des Regionalverbunds Thüringer Wald stehen, kann der verantwortliche Infrastruktur-Manager, Jens Pastowski, zwar nicht nennen. Aus Erfahrung könne er aber sagen, dass die Nachfrage nach solchen Beschilderungen in den vergangenen Jahren zugenommen habe.

An den Autobahnen im Freistaat stünden heute insgesamt etwa 230 der braun-weißen Hinweisschilder, sagte die Sprecherin des Thüringer Verkehrsministeriums, Antje Hellmann. Sie verweisen etwa auf Burgen, Freizeitparks oder historische bedeutsame Innenstädte und Bauwerke.

Dazu kämen weitere etwa 130 kleine braune Hinweisschilder, die Reisende auf Tunnel und Talbrücken aufmerksam machen. Die Kosten für die Aufstellung der touristischen Schilder an den Autobahnen müssten von denen getragen werden, auf die sie verweisen. Pro Tafel koste das etwa 6000 Euro - für das Schild, die Rahmenkonstruktion dahinter sowie das Fundament. "Jährliche Unterhaltungskosten fallen nicht an", so Hellmann.

Inzwischen stehen damit so viele touristische Hinweisschilder an den Autobahnen, dass dort kaum mehr Platz ist für weitere vergleichbare Verkehrszeichen. "In der Regel dürfen zwei Unterrichtungstafeln vor einer Anschlussstelle stehen, in begründeten Ausnahmefällen auch eine dritte", sagte Hellmann. Vor allem in den vergangenen 15 Jahren hätten viele touristische Einrichtungen solche Schilder errichten lassen. "Insoweit stehen mittlerweile nur wenig freie Standorte für touristische Unterrichtungstafeln zur Verfügung", sagte sie.

Nicht nur im Straßenverkehr allerdings hat die klassische touristische Beschilderung also weiterhin ihre Daseinsberechtigung. Auch von Wanderwegen etwa im Wald ist sie offenbar kaum wegzudenken, auch wenn es inzwischen zahlreiche Handy-Apps mit digitalem Kartenmaterial gibt.

Eine Sprecherin der Stadtverwaltung Eisenach, Sophia Spangenberg, sagte beispielsweise, aus Gästebefragung im Wandertourismus wisse man, dass die Beschilderung von Wanderwegen für die Touristen eine große Rolle spiele. "Nicht alle verlassen sich auf das Handy", sagte sie. Die Untersuchungen zeigten, dass mehr als die Hälfte der Wanderer nach wie vor analoges Kartenmaterial dabei habe - das durch Hinweisschilder sinnvoll ergänzt werde.

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