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Tipps für die Liebe auf Distanz:Sonntag Abend ist für Lety reserviert

Bei Jan und Lety kommt zur räumlichen Trennung die Sprachbarriere hinzu. Jans Spanisch ist gut, doch manchmal kann er die Dinge nicht so ausdrücken, wie er sie eigentlich meint. Es kommt zu Missverständnissen, es gibt Streit - wie in anderen Beziehung auch. Mit dem Unterschied, dass Jan und Lety sich zur Versöhnung nicht in den Arm nehmen können.

"Ich kann nur jedem raten, nicht über Whatsapp zu streiten", sagt der 28-Jährige. "Da besteht ein zu großes Konfliktpotenzial, weil man nie etwas genau so schreiben kann, wie man es meint." Außerdem zanken sie sich öfter über das typische Whatsapp-Dilemma: wenn zwar die blauen Häkchen erscheinen, aber stundenlang keine Antwort kommt.

Dennoch ist die Kommunikations-App eine große Hilfe für beide: So wissen sie stets über den Alltag des anderen Bescheid - ein entscheidender Punkt für Peter Wendl. "Für Paare, die getrennt voneinander leben, ist es immens wichtig, den anderen an seinem Alltag teilhaben zu lassen. Das schafft Gewohnheit." Dabei seien belanglose Informationen ebenso wichtig wie Gespräche über eigene Erwartungen, Befürchtungen und Gefühle. Weder Konflikte noch Befürchtungen und Ängste und schon gar nicht Unerfreuliches sollte verschwiegen werden. Auf Dauer entfremdet das sonst die Partner.

Darüber hinaus sollten beide ihren Tag auch unabhängig vom anderen erfüllend gestalten können - ohne den anderen damit ersetzen zu wollen. Nur wer sich auch alleine verwöhnen und eine gute Zeit haben kann, kann das auch gemeinsam mit dem Partner.

Hat das alles einen Sinn?

"Um das alles durchzuhalten, muss die Sinnfrage und die Perspektiven zuvor geklärt werden", sagt Peter Wendl. "Es muss klar sein, warum das Paar eigentlich eine Fernbeziehung führt und viel wichtiger: Die Antwort muss für beide Seiten akzeptabel sein. Außerdem muss ein Ende der Trennung absehbar sein. Das heißt: Wann sehen wir uns wieder? Und wann sind wir endgültig wieder vereint?"

Bis es so weit ist, setzt Peter Wend auf ein Geheimrezept: "Gemeinsame Rituale schweißen zusammen", sagt der Paartherapeut. "Ich empfehle zum Beispiel, ab und zu einmal nicht Sonntag abzureisen, sondern am Montag freizunehmen und erst Dienstag wieder nach Hause zu fahren. So kann man auch mal ganz Alltägliches zusammen erleben, wie am Sonntagabend Tatort gucken." Und sich ganz nebenbei wunderbar normal fühlen. So wie jeder anderen Beziehung auch.

Für Jan und Lety ist dieser Lichtblick nicht mehr weit entfernt. "Ich ziehe nach Mexiko, schon bald. Meinen Job habe ich bereits gekündigt, ich mache mich selbstständig", sagt Jan, und seine Vorfreude ist ihm dabei anzumerken. Fürs Erste sucht er sich dort aber eine eigene Wohnung. Er und Lety finden, dass es besser ist, nicht sofort zusammenzuziehen. Und dann, endlich, wird Zeit sein für gemeinsame Rituale. In Echtzeit, auf dem Sofa.

© SZ.de/vs/jobr

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