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Tierwelt:Erwischt!

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Die Zunge von Chamäleons ist doppelt so lang wie der Körper der Tiere.

(Foto: imago/Anka Agency International)

Chamäleons jagen mit ihrer Zunge. Aber auch andere Tiere haben Schlecker mit Superkräften: Acht Beispiele.

Von Birk Grüling

Giraffen

Giraffen haben Hufe und können damit nur schlecht in der Nase bohren oder sich die Augen reiben. Zum Glück haben sie als Ersatz eine lange, blauschwarze Zunge. Sie ist bis zu einem halben Meter lang und hat ihre Farbe von der starken Durchblutung. Weil sie extrem kräftig und beweglich ist, nutzen Giraffen ihre Zunge als eine Art Greifarm. Damit erreichen sie locker die Augen und die Nasenlöcher, vor allem aber rupfen sie damit Blätter von den Bäumen - selbst von stacheligen Akazien.

Chamäleons

Die Lieblingsspeise von Chamäleons sind Käfer und Fliegen. Blöd nur, dass sich diese Beute deutlich schneller bewegt als sie selbst. Deshalb haben sie eine superflinke Zunge: Bis zu 20 Stundenkilometer schnell können die Tiere sie hinausschleudern - und Insekten bleiben einfach daran kleben. Bepackt mit der Mahlzeit ziehen sie die Zunge, zack, zurück ins Maul. Dort wird sie aufgerollt und im Kehlsack verstaut. Einfach raushängen lassen kann das Chamäleon seinen Riesenschlecker nämlich nicht - die Zunge ist länger als das gesamte Kriechtier.

Blauwale

Der Blauwal ist das größte Säugetier der Erde. Seine Zunge wiegt so viel wie ein Elefant, mehr als zehn Menschen hätten darauf Platz. Trotz seiner Größe frisst der Blauwal nur kleine Krebse, auch Plankton genannt. Dafür nimmt er einen großen Schluck Meerwasser, schließt das Maul und drückt das Wasser dann mit der Zunge wieder raus. Statt Zähnen hat der Blauwal Barten, die wie ein Küchensieb oder ein Kamm funktionieren. Darin bleiben alle leckeren Krebse und kleinen Fische hängen, während das Wasser mit der Zunge wieder rausgeschoben wird. Fast vier Tonnen vertilgen die Wale auf diese Art pro Tag, das sind etwa 40 Millionen Kleinkrebse.

Ameisenbären

Der Name verrät es schon: Ameisenbären lieben Ameisen. Bis zu 35 000 Stück futtern sie pro Tag. Dafür angeln sie die Insekten mit ihrer klebrigen Zunge direkt aus dem Nest. Die Insekten bleiben daran hängen, werden im Maul von der Zunge abgestreift und verspeist - so kommen sie erst gar nicht dazu, sich mit übermäßig viel Ameisensäure zur Wehr zu setzen. Bis zu 160 Mal pro Minute kann der Ameisenbär seine Zunge auf die Jagd schicken. So wird er selbst von winzigen Ameisen satt, allerdings macht das auch müde: Ameisenbären schlafen 15 Stunden am Tag.

Hunde

Wenn Hunden sehr heiß ist, strecken sie ihre Zunge raus und hecheln. Bis zu 300 Mal pro Minuten atmen sie bei Hitze oder Anstrengung aus. Die Luft kühlt das Blut in der Hundezunge etwas ab, bevor es zurück in den Körper wandert. So wird der gesamte Hund gekühlt. Doch die Zunge kann noch mehr: Beim Trinken funktioniert sie wie eine Suppenkelle. Und natürlich lecken uns unsere Hunde auch gerne ab. Das ist ein Zeichen von Zuneigung und bedeutet so viel wie: Du bist super, ich mag dich sehr!

Kolibris

Kolibris haben es immer eilig. Bis zu 200 Mal pro Sekunde schlagen sie mit den Flügeln. Selbst zum Essen landen sie nicht, sondern schweben vor den Blüten in der Luft. An den süßen Nektar kommen sie mit ihrer Zunge, die wie ein Strohhalm funktioniert: Rein in die Blüte, Zunge vollpumpen, zurück in den Schnabel und wieder von vorne. Bis zu 20 Mal pro Sekunde kann der kleine Vogel so Nektar tanken.

Katzen

Katzen nutzen ihre Zunge vor allem als Waschlappen. Sie pflegen damit ihr Fell und säubern sich. Die Oberfläche ihrer Zunge ist dafür mit winzigen, beweglichen Widerhäkchen besetzt. Schuppen, Staub und Flöhe bleiben daran hängen, vor allem aber werden mit der Zunge Fellknoten gelöst. Die flexiblen Haken auf der Zunge sind ein Vorbild für Forscherinnen und Forscher auf der ganzen Welt: Sie versuchen, Zahnbürsten oder Instrumente zur Wundreinigung nach dem Aufbau von Katzenzungen zu gestalten.

Schlangen

Schlangen strecken oft und gerne die Zunge heraus. Nicht um andere Tiere zu ärgern, sondern um ihre Beute aufzuspüren. Denn Schlange riechen mit der Zunge: Nur wenn sie ihre Riechknospen in die Luft halten, können sie die Gerüche von Mäusen oder Eidechsen aufnehmen. Besonders praktisch: Ihre Zunge hat zwei Spitzen. So lässt sich ausmachen, aus welcher Richtung der Duft kommt.

© SZ vom 15.05.2021
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