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Tiere - Überlingen:Coronakrise verzögert Waldrapp-Projekt am Bodensee

Baden-Württemberg
Ein junger Waldrapp sitzt auf einer Wiese. Foto: Felix Kästle/dpa/Archivbild (Foto: dpa)

Überlingen (dpa/lsw) - Seit 2017 versucht ein EU-Projekt, die seltene Vogelart Waldrapp zurück an den Bodensee zu bringen - doch nun wird die Aktion durch die Corona-Krise ausgebremst. Im Brutgebiet in Überlingen werde es in diesem Jahr vermutlich keinen Nachwuchs geben, sagte der Projektleiter des Waldrapp-Teams, Johannes Fritz, am Mittwoch. Zwar würden erstmalig auch geschlechtsreife Vögel aus ihren Winterquartieren dorthin zurückkehren. Diese bräuchten aber noch Unterstützung durch die Mitarbeiter des Projekts bei der Brut. "Und das geht momentan nicht." Zuvor hatte die "Bild"-Zeitung berichtet.

Auch in den anderen Brutgebieten in Bayern und bei Salzburg gebe es keine Handaufzucht und keine Auswilderung der Jungvögel. Allerdings lebten dort inzwischen wilde Vögel, die selbstständig mit der Brut beginnen würden. "Wir sind relativ entspannt", sagte Fritz. Ab 2021 werde das Waldrapp-Projekt wieder regulär fortgesetzt. "Wir gehen davon aus, dass wir zwar eine verzögerte Populationsentwicklung haben, aber deren Bestehen wird nicht gefährdet sein."

Die gänsegroßen Waldrappen lebten bis ins 17. Jahrhundert im Alpen- und Mittelmeerraum, unter anderem auch an den Felswänden in Überlingen. Doch dann wurden ihnen Vogeljäger zum Verhängnis. Heute sind die Zugvögel in freier Wildbahn praktisch ausgestorben und gehören zu den am stärksten bedrohten Vogelarten weltweit.

Im Frühjahr 2017 hatten Mitarbeiter des Projekts etwa 30 Jungvögel aus einer Zoohaltung in Kärnten (Österreich) in eine Art Trainingscamp nach Überlingen (Bodenseekreis) gebracht. Im darauffolgenden Sommer wurden die Zugvögel mit einem Leichtflugzeug und Gleitschirm über die Alpen in ihr Winterquartier, die Toskana, geführt. Der Waldrapp soll durch das Projekt in Europa wieder heimisch werden.

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