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Tiere:Stelzenhelden

Gemeiner Weberknecht Phalangium opilio auf einer Pflanze Deutschland Common harvestman Daddy lo
(Foto: imago/blickwinkel)

Unheimliche Kellerbewohner? Eklige Ecksitzer? Von wegen: Weberknechte sind ziemliche coole Fast-Spinnen.

Von Hannah Weber

Stinkbomben

Wie wochenlang getragene Sportsocken oder heißes Plastik riechen manche Weberknechte, wenn sie Feinde abschrecken wollen. Ihre Spezialwaffe sind Stinkdrüsen: Daraus sondern sie fieses Sekret ab, das müffelt und ätzt. Je nach Stärke des Sekrets vertreiben sie damit Feinde, lähmen oder töten sie sogar. Für Menschen sind die Stinkbomben aber ungefährlich.

Netzschwänzer

Man sollte meinen, dass Weberknechte ihrem Namen alle Ehre machen und die kunstvollsten Supernetze spinnen. Von wegen! Sie können gar nicht spinnen, ihnen fehlen dafür die nötigen Drüsen. Überhaupt haben sie bis auf die acht Beine mit normalen Spinnen nicht viel gemein, sondern bilden eine eigene Gruppe mit über 6000 Vertretern. In Deutschland gibt es allerdings nur etwa 40 verschiedene Arten, die besonders gern im Garten, der Garage oder dem Keller leben.

Namhaft

Weberknecht, Opa Langbein, Kanker, Schneider, Schuster, Waldschreit: Es gibt viele Namen für die Spinnentiere. Die meisten haben etwas mit ihren langen Beine zu tun, so auch ihre offizieller lateinische Bezeichnung: Opiliones. Das bedeutet übersetzt "Schäfer" und stammt aus einer Zeit, in der Schäfer noch auf Stelzen ihre Herden überblickten.

Haarsinn

Anders als die Webspinne mit ihren acht Augen ist der Weberknecht nur mit zwei Augen ausgestattet. Dafür aber mit Rundumsicht: Sie sitzen nämlich bei den meisten Arten leicht erhöht auf dem sogenannten Augenhügel und können nach vorne, hinten und zur Seite spähen. Richtige Adleraugen hat der Weberknecht aber nicht. Deshalb helfen ihm supersensible Sinneshaare an den Beinen, sich zu orientieren und Beute aufzuspüren.

Giftlos

Gefährlicher Angriff auf der Kellertreppe? Keine Sorge, alles nur ein Mythos. Weberknechte sind harmlose Gesellen ohne Giftdrüsen. Sie haben zwar Kieferklauen, doch die dienen nur zum Futtern und sind zu schwach, um menschliche Haut zu verletzten.

Gruppenkuscheln

Die meisten Weberknechte sind Einzelgänger und treffen sich nur zur Paarungszeit. Im Winter machen viele aber eine Ausnahme und treffen sich zum Gruppenkuscheln. Dafür tun sich mehrere Tausend Tieren zusammen und bilden einen Haufen. Der kann sich sogar als Ganzes fortbewegen - oder sich in Sekundenschnelle wieder auflösen. Aragog aus Harry Potter lässt grüßen.

Lassobeine

Die Beine der meisten Weberknechtarten sind extrem dünn und lang - bis zu 20 Mal länger als ihr Körper. Sie bestehen aus einzelnen Gliedern und sind deshalb so beweglich, dass die Tierchen sie wie ein Lasso um Grashalme wickeln und sich durch Hecken hangeln können. Ist ihnen ein Feind auf den Fersen, können sie sogar ein Stückchen Bein abwerfen. Es wackelt dann noch eine Weile und lenkt Verfolger so ab. Praktisch! Blöd nur, dass es nicht wieder nachwächst ...

© SZ vom 27.03.2021
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