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Tiere - Rastatt:Probleme wegen Corona für Vorreiterprojekt "Fellwechsel"

Baden-Württemberg
Bälge von verschiedenem Raubwild hängen in einer Abbalgstation. Foto: Uli Deck/dpa/Symbolbild (Foto: dpa)

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Rastatt (dpa/lsw) - Die Corona-Pandemie hat das bundesweit einmalige Pilotprojekt "Fellwechsel", bei dem Felle aus heimischer Jagd verarbeitet statt weggeschmissen werden, in große Schwierigkeiten gebracht. Die Produktion wurde gestoppt, sagte Geschäftsführer Andreas Leppmann. Die Felle von rund 10 000 in Tiefkühl-Containern gelagerten Tieren warteten noch auf Verarbeitung. Der Pelzmarkt sei wegen der Coronakrise eingebrochen, bereits vereinbarte Verkäufe der von Fellwechsel verarbeiteten Felle an russische und auch chinesische Kunden seien nicht zustande gekommen. Sein Mitarbeiter und er seien in Kurzarbeit.

Im Rahmen des seit über zwei Jahren laufenden Projektes werden erlegte Tiere wie Stein- und Baummarder, Füchse, Waschbären sowie Bisam oder Nutria von Jägern in den inzwischen bundesweit rund 850 Sammelstellen abgeliefert. Im Februar sammeln sie die Fellwechsel-Mitarbeiter ein und bringen sie in die Abbalgstation nach Rastatt. Dort wird ihnen das Fell abgezogen und zum Gerben gebracht.

"Wir konnten alle Sammelstellen noch abfahren, dann kam Corona", sagte Leppmann. Zwar sei ein Großteil der rund 25 000 Felle noch verarbeitet worden. Nun aber ruhe die Produktion wegen mangelnder Nachfrage. "Die gesamte Pelzindustrie leidet, viele Geschäfte hatten zu und sind nun vorsichtig, was den Einkauf neuer Ware betrifft."

Das Start-up verhandele inzwischen mit einem Kooperationspartner, der in die Produktion einsteigen soll. Außerdem laufe der Online-Shop, den es seit März gibt, recht gut. "Wir sind zuversichtlich, dass wir diese schwierige Zeit überstehen", so Leppmann. "Das Konzept hinter "Fellwechsel" stimmt."

Finanziert wird "Fellwechsel" vom Deutschen Jagdverband (DJV) und dem Landesverband Baden-Württemberg.

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