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Tiere - Norden:Uferschnepfe fliegt in 55 Stunden nach Mali

Hannover (dpa/lni) - Eine Uferschnepfe ist in der Rekordzeit von 55 Stunden vom niedersächsischen Dümmer-See bis nach Mali geflogen. Der mit einem Sender ausgestattete junge Wiesenvogel habe auf dem Flug vom Brutgebiet in das afrikanische Überwinterungsgebiet eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 74 Stundenkilometer erreicht, teilte der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) am Freitag mit. Noch am 15. Juli wurde Jungvogel "Christiansieneson" zur Mittagszeit im Brutgebiet geortet, am 16. Juli überflog er bereits Algerien. Knapp 55 Stunden nach seinem Aufbruch erreichte er schließlich das Nigerdelta in Mali.

Das NLWKN untersucht in einem Projekt das Zugverhalten von Wiesenvögeln, um Anhaltspunkte für mögliche Gefährdungen in- und außerhalb Deutschlands zu lokalisieren. Die Auswertung der 2019 im EU-Vogelschutzgebiet Dümmer mit Satellitensendern ausgestatteten Vögel zeigt, dass diese deutlich später als die mit einem Sender ausgestatteten Artgenossen 2018 aus dem Brutgebiet abziehen. Anders als üblich legen sie auch keinen Stopp in den Niederlanden ein. Die Gründe dafür kennen die Forscher noch nicht. Die Sender wiegen nur fünf Gramm und werden den Vögeln wie ein Rucksack aufgezogen.

Die anderen Jungvögel, die einen Sender tragen, rasten aktuell noch in Westfrankreich und Spanien. Die Satellitendaten zeigen, dass die Uferschnepfen in geeigneten Rastgebieten über einen Monat Zwischenrast einlegen können, bis sie weiterfliegen. Die meisten Langstreckenzieher legen je nach Situation Stopps ein, um die verbrauchten Fettreserven zu erneuern und um zu ruhen. In der Nacht wird dann der Vogelzug wieder aufgenommen.