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Tiernamen:Emma statt Waldi

Benni, Susi und Timmy - Grabsteine auf dem Tierfriedhof.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Früher hörten Hunde und Katzen auf stereotype Namen, heute ist die Namenswahl individueller und vor allem menschenähnlicher geworden.

Von Titus Arnu

"Smudo Can't hurry love of Lakeview Labradors" ist ein wohlklingender Name für einen Labrador. Aber auch ein bisschen unpraktisch, wenn man ihn schnell rufen muss: "Smudo Can't hurry love of Lakeview Labradors, komm! Sitz!" Bis man beim entscheidenden Befehl angelangt ist, ist der Hund wahrscheinlich schon einen halben Kilometer weiter. Also ersetzt man den edlen Züchternamen besser durch einen kurzen Rufnamen.

Früher gaben sich Herrchen und Frauchen bei der Namenswahl oft wenig Mühe. Dackel hießen Waldi oder Zamperl, Schäferhunde Rex und struppige Mischlinge Struppi. Biss Waldi für immer ins Gras, kam bald sein Nachfolger Waldi II, gefolgt von Waldi III. Hunde und Katzen wurden nach ihrem Aussehen und ihrer Funktion benannt, Schnauzer hießen Schnauz, Jagdhunde Waldmann, schwarze Kater Mohrle (was heute natürlich nicht mehr okay ist).

Die Einstellung der Menschen gegenüber ihren Haustieren hat sich in den letzten Jahren aber gewandelt, und damit verändern sich auch deren Namen. Unter den Top Ten der Hundenamen finden sich einige, die derzeit auch für menschliche Babys populär sind: Emma, Max, Lilli, Bruno, Lotte, Oskar, Mila, Emil. Auch bei den Katzen stehen beliebte Kindernamen wie Mia, Leo und Felix ganz oben in den Listen. Dies geht aus Statistiken des Vereins Tasso hervor, bei dem 9,3 Millionen Tiere registriert sind, davon 5,4 Millionen Hunde und 3,8 Millionen Katzen. Tierhalter können ihre Lieblinge bei Tasso registrieren lassen, über einen implantierten Chip kann das Tier zugeordnet werden, falls es entlaufen ist.

Heißen Jungen also bald Waldi oder Hasso?

Während früher stereotype Namen wie Bello, Rex, Hasso oder Lumpi für Hunde gewählt wurden, sei die Namenswahl heute deutlich individueller und menschenähnlicher geworden, sagt Damaris Nübling, Professorin für Historische Sprachwissenschaft des Deutschen an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz. Sie hat den Wandel der Tiernamen untersucht und zwei Bände dazu publiziert. Vor 150 Jahren hatten Hunde meistens gar keine Namen, man sagte einfach "Hund", dann hießen sie je nach ihrer Funktion "Pass auf" oder "Beiß zu". "Heute werden die Tiere an die Familie angesippt", sagt Nübling, deshalb bekommen sie Kindernamen.

Ein junges Phänomen, an dem sich der hohe Stellenwert des Haustiers ablesen lässt. Einen Hasso ließ man lieber an der Kette draußen in der Hundehütte schlafen, ein Oskar residiert im Wohnzimmer auf dem Sofa. Das ehemalige Nutztier hat sich zum fast vollwertigen Familienmitglied hochgearbeitet. Vierbeiner werden aufwendig bekocht, von Psychologen und Sporttrainern gecoacht, es gibt Geburtstags- und Weihnachtsrituale für sie - und manchmal tauchen sie sogar in Todesanzeigen als trauernde Hinterbliebene auf.

Ganz oben auf der Liste der Tiernamen stehen aber auch Luna und Balu. Neben dem Kriterium "menschenähnlich" sind der Lingusitin Nübling zufolge manchmal äußerliche Merkmale entscheidend, ein schwarzes Wuschelfell etwa (Blacky), die Ähnlichkeit zu einem Problembär (Bruno) oder abstehende Ohren (Charles). Luna, bei Katzen und Hündinnen derzeit die Nummer eins, wird wiederum auch als Mädchenname immer populärer. Heißen Jungen also bald Waldi oder Hasso? "Man scheut sich nicht, die Mensch-Tier-Grenze auch in diese Richtung zu überschreiten", sagt Damaris Nübling. Ein Beispiel dafür sei der Name Tindra, den immer mehr skandinavische Eltern ihren Mädchen geben. Traditionell bekommen ihn eigentlich schwedische Kühe.

© SZ/ick
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