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Tiere - Jabel:Wisente sollen Klima schützen helfen: Verstärkung für Zucht

Deutschland
Eine Herde trabt mit seinem Nachwuchs im Wisent-Reservat auf der Halbinsel Damerower Werder. Foto: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa (Foto: dpa)

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Jabel (dpa) - Das Wisent-Gehege auf der Halbinsel Damerower Werder bei Jabel (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) hat "Verstärkung" bekommen. "Mit den neuen Tieren soll die Zucht wieder angekurbelt werden, denn es gibt viele Anfragen nach jungen Tieren wie aus Rumänien und für ein Klimaschutzprojekt in Sibirien", sagte Fred Zentner, Leiter des Wisentreservates, der Deutschen Presse-Agentur. Der 59-Jährige leitet auch das Zucht-Regionalbüro Ost für die Wildrinder, eines von vier in Deutschland.

Im Osten Russlands drohe der Permafrostboden durch steigende Temperaturen aufzutauen, erläuterte Zentner. Das sei aus Sicht des Klimaschutzes problematisch. Die schweren Wildrinder sollen dort wieder in größeren Herden unterwegs sein und dafür sorgen, dass Bewuchs klein gehalten wird und die Böden fester werden. Wisente scharrten zudem im Winter bei der Nahrungssuche Schnee weg, so dass Frost auch wieder tiefer in Böden eindringen könne.

Seit 1957 werden auf dem Damerower Werder Wildrinder gezüchtet. Aus nur wenigen verbliebenen Tieren wurde in Zusammenarbeit mit dem Tierpark in Berlin und anderen europäischen Zuchtstätten der europäische Bestand neu aufgebaut. "Jetzt gibt es europaweit wieder rund 8000 Wisente", erläuterte Zentner. Mit mehr als 330 Kälbern, die am Damerower Werder geboren wurden, haben die Mecklenburger großen Anteil daran. Auch in Ungarn, Rumänien, Russland, Lettland und Schweden streifen Tiere von der Seenplatte umher. Allein in Deutschland gibt es an 70 Orten Wildrinder - insgesamt mehr als 500 Tiere - oft für die Landschaftspflege.

Da in den letzten Jahren aber immer weniger Kälber kamen, wurde ein Neustart in Jabel organisiert. Nun haben sich die Leute um Zentner mit zwei Wisentkühen aus Leipzig und Gersfeld (Hessen) sowie dem Bullen Zakkos aus Sababurg bei Göttingen (Niedersachsen) verstärkt. 28 Tiere leben nun in drei Herden hier. "Wir wollen auch wieder Wisente nach Rumänien bringen", lautet ein Ziel.

Dort werden zusammen mit dem WWF mehrere Herden aufgebaut, die in den südlichen Karpaten auf 80 000 Hektar leben können. In der dünn besiedelten Region soll auf diese Weise der Naturtourismus angekurbelt werden. "Dann müssen Tierfreunde nicht mehr nach Nordamerika reisen, um große Herden zu erleben, sondern nur bis Rumänien", gewinnt der Fachmann dem Vorhaben auch einen Klimaschutzaspekt ab.

Unterdessen beginnt auf der Wisent-Halbinsel der touristische Andrang wieder. Täglich zweimal wird gefüttert, Gäste können die zotteligen Tiere nah erleben - auch zwei frisch geborene Kälber. Vor den Schaugattern stehen Wisentfachleute für die vielen Fragen der Tierfreunde bereit.

© dpa-infocom, dpa:210612-99-961658/2

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