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Tiere:Hau mir ab

Krabbelt, schleimt und sticht: Viele kleine Tiere nerven gewaltig - und sind trotzdem wichtig.

(Foto: Marika Marini)

Warum nervige Plagegeister aus dem Tierreich mehr als Ekel, Wut und aufgeregtes Wegfuchteln verdienen.

Von Birk Grüling

Zuckerdiebe

Kein Eis, kein Kuchen, keine Limo ist vor Wespen sicher. Wildes Rumgefuchtel beeindruckt sie kein bisschen, und ihre Stiche schmerzen fies. Doch es gibt auch nette Wespen. Nur zwei der 14 heimischen Arten sind zuckerverrückte Plagegeister und verantwortlich für den schlechten Ruf ihrer Artgenossen. Dabei bestäuben Wespen genau wie Bienen auch Blumen, Obstbäume und Beerensträucher. Mit dem Unterschied, dass sie keine Schönwetterflieger, sondern auch bei Wind und Wetter im Einsatz sind. Außerdem fressen sie Schädlinge wie Fliegen, Heuschrecken, Raupen oder Blattläuse. Und das nicht zu knapp: Ein Wespenvolk vertilgt bis zu zwei Kilogramm Insekten am Tag. Auch morsches Holz schmeckt ihnen, was gut für gesunde Wälder ist.

Badflitzer

Manchmal knabbern sie an unserer Wäsche, krabbeln durch Küchenschränke oder sitzen plötzlich in der Dusche. Davor ekeln sich viele. Dabei sind Silberfische eigentlich recht nützlich. Sie fühlen sich überall dort wohl, wo es feucht ist - im Keller, Badezimmer oder der Küche zum Beispiel. Damit warnen sie uns vor Schimmel, der es auch feucht mag. Außerdem fressen sie Schimmelpilze und Hausstaubmilben, die bei Menschen Allergien auslösen können. Auch Hautschuppen und Haare futtern sie direkt weg. Ziemlich nett, oder?

Schlafräuber

Mücken sind echte Nervensägen. Sie rauben uns mit ihrem Surren in Sommernächten den Schlaf, und ihre Stiche jucken fürchterlich. Doch auch diese Insekten haben ihren Nutzen. Sie dienen zum Beispiel als fliegende Snacks für Vögel, Frösche oder Libellen. Würden Mücken verschwinden, könnten wir vielleicht etwas besser schlafen. Viele Tiere aber würden viel zu wenig zu fressen finden und aussterben.

Gartenwühler

Maulwürfe sind putzig. Trotzdem gibt es immer noch viele Gärtner, die sich durch ihre kleinen Erdhügel auf dem Rasen gestört fühlen. Dabei sind Maulwürfe sogar gut für den Garten: Sie fressen Schädlinge wie Schnecken oder Raupen und vertreiben gefräßige Wühlmäuse. Außerdem graben sie sich unermüdlich durch die Erde und lockern sie damit auf. Nährstoffe können sich so leichter verbreiten, Pflanzen und Rasen besser wachsen.

Totengräber

Kaum steht der Kuchen auf dem Gartentisch, zieht das nicht nur Wespen, sondern auch ganze Scharen von Ameisen an. Noch schlimmer ist die Ameisenstraße quer durchs Wohnzimmer. Doch auch Ameisen sind gut für die Natur. Sie fressen Schädlinge und sammeln tote Insekten ein. Das hat ihnen den Beinamen "Gesundheitspolizei" des Waldes eingebracht. Das Aas verfüttern sie an ihren Nachwuchs, so bleibt nichts übrig. Das ist aber nicht alles: Ameisen verbessern auch den Boden im Garten und im Wald, weil sie dafür sorgen, dass verrottende Holzstämme, Äste und Baumstümpfe schneller zu Erde werden. Und ganz nebenbei durchlüften sie mit ihren Nestern auch noch den Boden.

Erschrecker

Viele Menschen gruseln sich vor Spinnen und ihren langen Beinen. Doch die Angst ist unbegründet. Die heimischen Spinnenarten sind ungefährlich und sehr nützlich. Sie fressen nervige Insekten wie Mücken oder Motten. Eine Kreuzspinne alleine verdrückt in einem Jahr bis zu zwei Kilo Insekten. Außerdem sind Spinnen Vorbilder für die Wissenschaft. Vor allem ihre Fäden und Netze interessieren Forscher, weil sie leicht, dehnbar wie Gummi und trotzdem fester als Stahl sind. Nach ihrem Vorbild könnte man viele tolle Sachen entwickeln - von Wundpflastern bis zu Airbags im Auto.

Falschmäuse

Mäuse gelten als Plagegeister und Krankheitsüberträger. Unter diesem schlechten Ruf leiden auch die Spitzmäuse. Dabei sind die gar keine echten Mäuse, sondern als Insektenfresser mit Igel und Maulwurf verwandt. Sie futtern Würmer und Insekten und lassen im Gegensatz zu Wühlmäusen die Zähne von Pflanzen und Wurzeln.

Salatdiebe

Schnecken fressen gerne Rosen, Sonnenblumen oder Salat an. Allerdings gilt das nicht für alle: Der Tigerschnegel zum Beispiel sieht zwar aus wie eine gestreifte Nacktschnecke, frisst aber nur alte Pflanzenreste und die Eier der Nacktschnecken. Auch Weinbergschnecken mögen keinen Salat, sondern nur tote Blätter und räumen damit den Garten auf. Selbst Nacktschnecken können nützlich sein: Wenn sie sich durchs Gemüse fressen, steigen die Chancen auf Nudeln zum Mittagessen.

Illustration: Marika Marini

© SZ vom 26.09.2020

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