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Tiere - Globig-Bleddin:Beringung von Kranichen zeigt Veränderung der Zugwege

Kemberg (dpa/sa) - Ein Jahr nach der ersten Beringung von Kranichen in Sachsen-Anhalt haben Experten neue Erkenntnisse über das Verhalten der Zugvögel gewonnen. Erste Auswertungen zeigten, dass der Aktionsradius der Tiere viel größer sei als bislang angenommen, sagte Axel Schonert von der Initiative Kranichschutz der Deutschen Presse-Agentur. Einer der gekennzeichneten Kraniche aus dem Landkreis Wittenberg sei etwa auch bei Berlin und in Sachsen gesichtet worden, bevor er sich auf den Weg zu seinem Winterquartier in Südfrankreich gemacht habe. Inzwischen sei der Vogel wieder zurück in Deutschland.

Im vergangenen Jahr waren erstmals vier junge Kraniche mit bunten Ringen aus Plastik gekennzeichnet worden, drei erhielten zudem einen Sender. Ziel ist es Schonert zufolge, Zugwege, Winterquartiere und Ansiedlungsverhalten der Vögel genauer zu erforschen. Das System des Vogelzugs sei wegen des Klimawandels stark in Bewegung. "Wir wollen dokumentieren, was der Klimawandel mit unserem Vogelzug macht", sagte Schonert. Deshalb seien die Daten der Sender und der Beobachtung der beringten Vögel so wichtig.

Auch in diesem Jahr wollen die Experten deshalb weitere Vögel kennzeichnen. Die jungen Kraniche dafür einzufangen, sei aber äußerst knifflig, berichtete Schonert. Erst bei drei Jungvögeln im Landkreis Anhalt-Bitterfeld seien die Fänger erfolgreich gewesen. "Wir hoffen, dass noch der ein oder andere dazukommt."

Auf Sender müsse man dieses Mal aber verzichten. Im vergangenen Jahr sei die Technik schon nach kurzer Zeit ausgefallen, auf solidere Technik warte man noch. Allerdings sei auch die Kennzeichnung mit den farbigen Plastikringen eine große Hilfe. Vogelbeobachter könnten die Tiere mit dem Fernglas so auch aus mehreren Hundert Metern Entfernung identifizieren. Ihre Beobachtungen erreichen über Internetplattformen die Experten, die daraus ihre Schlüsse über die Zugwege der Kraniche ziehen können.

Eher schlecht steht es Schonert zufolge in diesem Jahr allerdings um den Kranich-Nachwuchs in Sachsen-Anhalt. Viele Gewässer seien schlicht ausgetrocknet und stünden deshalb als Brutplatz nicht zur Verfügung. "Dieses Jahr ist die absolute Katastrophe - wir steuern auf einen Negativrekord zu." Über den Winter habe es nicht genug geregnet, um die Dürre des vergangenen Sommers auszugleichen. Wie viel Nachwuchs es tatsächlich gebe, lasse sich aber erst zum Ende der Saison im Herbst und Winter bilanzieren.

Kraniche werden bis zu 1,30 Meter groß und sind an ihrem charakteristischen Dreiecksflug und den trompetenartigen Rufen zu erkennen. Im Frühjahr und Herbst machen Zehntausende der Zugvögel Rast in Sachsen-Anhalt. Sie fliegen von ihren Winterquartieren in Südeuropa zu Brutplätzen, die häufig in Skandinavien und im Baltikum liegen - beziehungsweise in umgekehrter Richtung. Inzwischen bleiben auch Hunderte Kranichpaare zum Brüten in Sachsen-Anhalt.