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Tiere - Berlin:Panda-Premiere im Zoo: Großer Andrang bleibt zunächst aus

Berlin
Die Panda-Zwillings-Männchen Meng Yuan (l) und Meng Xiang werden bei der Bekanntgabe ihrer Namen und ihres Geschlechts im Berliner Zoo von zwei Tierpflegern gehalten. Foto: Christoph Soeder/dpa/Archiv (Foto: dpa)

Berlin (dpa/bb) - Der große Ansturm ist am Donnerstagmorgen ausgeblieben: Trotz Regenwetters sind zwar einige Besucher zu den Pandas im Berliner Zoo gekommen, lange Schlangen am Eingang oder am Gehege gab es aber keine. Tierfans hatten also viel Zeit, die flauschigen Bären zu fotografieren oder zu filmen. Die Zwillinge Meng Xiang und Meng Yuan selbst blieben vom Nieselwetter verschont: Sie bewohnen bisher nur die Innenanlage - eine Art Panda-Wohnzimmer hinter Glas. Für die Zoobesucher war es die erste Möglichkeit, dem Ende August geborenen Nachwuchs einen Besuch abzustatten.

"Ich hätte am liebsten selbst einen Panda zu Hause", sagte eine 25-Jährige, die nach eigenen Angaben schon vor der Öffnung des Zoos um 9.00 Uhr am Eingang wartete. "Ich wollte sie unbedingt ganz früh sehen." Seit Monaten verfolge sie die Zwillinge in den sozialen Medien und auf dem Panda-Blog des Zoos.

Wer einen Panda für zuhause will, muss in den Zoo-Shop: T-Shirts, Brotdosen, Topflappen, Poster mit den schwarz-weißen Bären und Plüschtiere stehen zum Verkauf. Da werden Erinnerungen wach an Eisbär Knut, Publikumsliebling im Zoo vor mehr als zehn Jahren. Elf Millionen Menschen kamen zum "Knutgucken", Fan-Artikel brachten zusätzliche Einnahmen. Allein 2007 bescherte Knut dem Zoo einen Gewinn von rund fünf Millionen Euro.

Die aufwendige Panda-Haltung beschert dem Zoo aber auch hohe Kosten: So geht eine jährliche Leihgebühr von einer Million US-Dollar nach China, die Summe fließt den Angaben zufolge komplett in den Artenschutz. Ob auch für die Zwillinge, laut Vertrag ebenfalls Eigentums Chinas, Dollars fällig werden, verrät der Zoo nicht. Die eigens für die Pandas gebaute Anlage kostete zehn Millionen Euro. Teuer auch: die Bambus-Unmengen, die Pandas futtern.

Angesichts vieler notwendiger Investitionen im Zoo und in der Schwestern-Einrichtung Tierpark wäre das Geld auch anderweitig notwendig gewesen, um die Haltungsbedingungen vieler Tiere zu verbessern, meint James Brückner vom Deutschen Tierschutzbund.

Rund 3000 Besucher zählte der Zoo nach eigener Angabe zur Panda-Premiere. Damit sei der erste Besuchertag eher entspannt verlaufen, teilte der Zoo am Nachmittag mit. In Berlin beginnen die Winterferien am Montag, womöglich kommt dann der Ansturm auf die Jungtiere. Der Zoo hat sich vorbereitet: mit Sicherheitspersonal, mehr besetzten Kassen und einem Personenleitsystem, ähnlich wie an Flughäfen. "Ich hatte es mir voller vorgestellt", sagte eine Rentnerin mit Jahreskarte aus Charlottenburg, die die Bären beobachtete. Ihr Highlight im Zoo seien aber die Robben, betonte sie.

"Ich bin extra früher aufgestanden, um die Pandas vor der Arbeit noch zu sehen", sagte eine 48-jährige aus Klagenfurt (Österreich), die beruflich in der Hauptstadt war. Sie habe auf dem Flug gelesen, dass die beiden Pit und Paule genannten Bären nun besucht werden können. "Der Zoo ist ein Fixpunkt, den ich seit Jahren immer wieder besuche." Vor der Arbeit werde sie noch Panda-Fotos für ihren Sohn schießen.

Damit das auch gelingt, wurde einer der kleinen schlafenden Bären von einem Mitarbeiter besser sichtbar auf Äste platziert - zuvor hatte er hinter Steinen versteckt geschlafen. Die Tiere sind der erste Panda-Nachwuchs in einem deutschen Zoo. Frühere Zuchtversuche mit anderen Panda-Paaren in Berlin waren erfolglos geblieben.

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