Thema der Woche:Zukunftskicker

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Thema der Woche: Seit der Pleite bei der WM 2018 kriselt die Fußballbegeisterung in Deutschland. Können neue Regeln helfen? Illustration: Tiago Guerreiro

Seit der Pleite bei der WM 2018 kriselt die Fußballbegeisterung in Deutschland. Können neue Regeln helfen? Illustration: Tiago Guerreiro

Der Ball bleibt weiterhin rund. Aber sonst? Mehr Tore, mehr Bälle, kein Anstoß - und vielleicht irgendwann Roboterschiedsrichter, Ufo-Bälle und - wie jetzt in Katar - internationale Turniere, die an Ölstaaten verkauft werden. Warum sich beim Fußball eine Menge ändern wird.

Von Christoph Leischwitz

Die Zukunft misst 32 auf 25 Meter, hat vier Tore statt zwei und kommt ohne Torwart aus. Am Rand liegen jede Menge Bälle herum, nach einem Tor geht es sofort weiter. Anstoß? Gibt es nicht. Auf dem Feld? Drei gegen drei.

Funiño setzt sich aus fun, dem englischen Wort für Spaß, und niño, dem spanischen Wort für Kind, zusammen, ist aber eigentlich eine deutsche Erfindung. Ab 2024 wird diese Spielform bis zur E-Jugend Pflicht, Kleinfeld-Ligen werden abgeschafft. So hat es der Deutsche Fußball-Bund beschlossen.

Fußball verändert sich gerade radikal. Eigentlich war das schon immer so: In den ersten 50 Jahren dieses Sports gab es zum Beispiel keine Elfmeter. Wer weiß, was noch alles kommt: Roboter als Schiedsrichter, weil sie genauer sind und ohnehin niemand mehr den Job machen will? Ein Leucht-Ufo als Fußball, weil das im Fernsehen besser aussieht? Und Weltmeisterschaften kaufen sich grundsätzlich Ölstaaten - so wie jene in Katar, die am Sonntag beginnt?

Bei Funiño geht es um Spaß. Denn Fußball ist in der Krise, die Mitgliederzahlen sinken. Ein wichtiger Grund: Frust. Weil viele nie den Ball kriegen oder auf der Ersatzbank versauern. Klarer Fall also, dachte sich der FußballBund: Wir schaffen die Ersatzbank ab! Ob jemand Verteidiger oder Mittelstürmer wird? Kann man später entscheiden. Erst mal die einfachen Dinge üben, ohne Druck. Mehr Ballkontakte bedeuten mehr Spaß. Oder?

Das ist doch kein Fußball mehr, protestieren etwa Eltern: Gehören Konkurrenz und Durchbeißen nicht auch dazu? Geht das überhaupt, immer nur Spaß haben, ohne Frust? Sicher ist: Fünf- und Sechsjährige, die jetzt einem Fußballverein beitreten, werden bis zur D-Jugend einiges nur aus dem Fernsehen kennen: Nach einem Tor lange jubeln. Einen Pokal in die Höhe recken. Gegen den FC Bayern spielen. Mit zwölf beginnt dann schlagartig der Ernst des Fußballlebens. Vielleicht sogar schon mit Ufo-Tor und Robo-Rot?

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