Was wäre das für ein Festessen! Ganz Deutschland würde sich im November Tag und Nacht mit den leckersten Gerichten den Bauch vollschlagen – fettige Pommes? Ja! Bergeweise Schokolade? Unbedingt! Eine ganze Lasagne und drei Pizzen hintereinander? Genau, aber mit Eis, Kuchen und Tiramisu danach! Und am Ende wären alle Menschen kugelrund – also bereit für den Winterschlaf.
Mama und Papa würden ihre Kinder Anfang Dezember ins Bett bringen und „Gute Nacht, schlaf gut … bis März“ sagen. Wahrscheinlich würde die ganze Familie im selben Raum schlafen, alle eng aneinander gekuschelt. In allen Häusern und Städten und Dörfern würden die Lichter ausgehen, die Straßen und Autobahnen wären leer, Radio, Fernsehen und Internet ausgeschaltet, alle Schulen und Büros geschlossen. Durch die Fußgängerzonen würden entspannt Rehe und Füchse und Wildschweine laufen.
Nur ein paar Ärzte und Handwerker hätten Winterschlafdienst und würden überwachen, dass unsere Heizungen funktionieren und niemand gesundheitliche Probleme hat. Bis im März alle wieder erholt und ganz dünn aufwachen und mit dem größten Frühstück des Jahres den Frühlingsbeginn feiern. Klingt lustig, oder?
Die Ski-, Schlitten- und Eislauffans werden jetzt protestieren: „Warum sollen wir die beste Zeit des Jahres verschlafen? Ich bin für Sommerschlaf!“ Und ja, über Weihnachten und Karneval müsste man auch noch reden. Aber den Wunsch, in einen langen, ungestörten Winterschlaf zu verfallen, kann man schon haben an einem saukalten, trostlosen Januar-Montagmorgen, wenn der Wecker unerbittlich klingelt, oder?
Und es gibt ihn ja wirklich, den Winterschlaf. Während wir Menschen in dicke Jacken und Mützen verpackt von November bis März frieren, machen viele Tiere gerade Pause. Der Igel etwa hält Winterschlaf: ohne Nahrung, mit abgesenkter Körpertemperatur. Das Eichhörnchen, der Bär und auch Dachse ruhen: leichterer Schlaf mit Wachphasen, in denen sie Nahrung suchen (die versteckten Nüsse). Frösche, Eidechsen und Insekten passen sich der Außentemperatur an und erstarren.
Bleiben wir beim Winterschlaf: Siebenschläfer oder Murmeltiere liegen zusammengerollt in mollig warmen Höhlen und schlafen jetzt, Ende Januar, schon viele Wochen lang. Aber: Wie geht das überhaupt? Wie kann man ohne Essen, Trinken und ja, ohne aufs Klo zu müssen, durchschlafen? Und könnten wir Menschen das nicht auch lernen?
Die ganz kurze Erklärung: Nein. Denn die Tiere schlafen nicht so, wie wir schlafen, ihre Körper fahren fast vollständig runter. Das Herz des Igels etwa schlägt viel langsamer, oft nur noch fünfmal pro Minute (statt 200-mal). Die Atmung des Siebenschläfers setzt teilweise minutenlang aus. Die Körpertemperatur der Tiere sinkt auf wenige Grad. Und weil sie nicht mehr trinken können, verbrennt ihr Körper Fett (in einem total komplizierten chemischen Verfahren) und gewinnt so Flüssigkeit. Verrückt. Und es geht noch weiter: Der Darm der Tiere, wo sie ihr Essen verdauen normalerweise, ruht während des Winterschlafs. Praktisch: So müssen sie auch nicht aufs Klo. Die sonst dabei entsorgten Stoffe werden im Körper recycelt. Die vor sich hindämmernden Tiere haben sogar einen eingebauten Sicherheits-Check und Alarm: Wird es im Nest oder in der Höhle zu kalt, droht also Frost, sorgt ein innerer Alarm dafür, dass das Tier kurz aufwacht, um durch Zittern Wärme im und am Körper zu erzeugen.
Und wir Menschen? Wir werden auch warm durch Bewegung und durchs Zittern – aber unser Menschenkörper kann nicht einfach alle Organe so herunterfahren, er würde nicht überleben. Unser Gehirn kann keine Pause einlegen, es muss ständig genutzt und beheizt werden. Ebenso muss unser Herz regelmäßig schlagen und Blut durch den Körper schicken. Dafür können wir mit dicker, warmer Winterkleidung auf Snowboards Tiefschneepisten hinabsausen oder Schlittschuhlaufen. Wir machen uns Tee und heiße Schokolade, wir kochen Eintöpfe und heizen unser Zuhause und lesen Bücher, machen Hörbücher an, spielen endlich mal wieder einen ganzen Winterabend lang Brettspiele und schauen Fernsehen. Auch schön, oder?
Für uns Menschen ist der Winter also viel spannender als für Tiere, unser Supermarkt ist fast genauso voll wie im Sommer. Wir brauchen den Winterschlaf nicht, um Energie zu sparen. Aber wir könnten vielleicht von den Tieren lernen und im Winter ein bisschen ruhiger werden und Kraft sammeln – bis im Frühling wieder das Leben neu erwacht.
