Thema der Woche:Sommerweh

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Thema der Woche: Köpper oder Arschbombe: Käme man doch nur so einfach zurück in den Sommer wie ins Wasser.

Köpper oder Arschbombe: Käme man doch nur so einfach zurück in den Sommer wie ins Wasser.

(Foto: Emma Crockatt)

Gerade war noch goldenes Licht, Lagerfeuerromantik und T-Shirt-Oktober. Jetzt ist es nass, kalt, dunkel, und eine seltsame Weltmeisterschaft rumpelt vor sich hin. Gibt es so was wie Heimweh nach Sonne? Und ist der Sommer vielleicht mehr Gefühl als Jahreszeit?

Von Georg Cadeggianini

Wo kommen jetzt auf einmal diese Ungemütlichtage her? Dieses Nasskalte, das überall hineinkriecht. Der Nebel, dieses Dunkle und Ungefähre. Morgens, wenn man zur Schule muss und am liebsten eine Wärmflasche mitnehmen würde: Es ist doch noch nicht mal richtig hell! Dazu dieses Frösteln, Atemwölkchen, Winterjacke, Mütze vergessen, die erste Erkältung - alles wieder da. Gerade war doch noch langes goldenes Licht!

Das Jahr 1816 steht als Jahr ohne Sommer in den Geschichtsbüchern. Es wurde einfach nicht schön. Die Pflanzen auf den Feldern wuchsen nicht, die Ernte fiel aus. Mitten im Sommer hat es sogar geschneit, in Europa! Die Leute, etwa deine Ururururoma, wussten überhaupt nicht, was los war. Bleibt das jetzt immer so? War's das mit dem Sommer? Erst hundert Jahre später hat man verstanden: Ein Vulkan hatte so viel Staub und Ascheteilchen extrem hoch in die Luft geschleudert, dass die Sonne einfach nicht richtig durchkam.

Der Sommer in diesem Jahr war maßlos. Lang, sehr lang, bis in den T-Shirt-Oktober hinein. Und heiß, so heiß. Der Klimawandel mit Waldbränden, Dürren und Hitzetoten - all dies hat der Rekordsommer vorgeführt. Trotzdem scheint er jetzt elendig weit weg zu sein. Gibt es so etwas wie Heimweh nach Sommer? Die Sehnsucht nach Hängematte und Hitzefrei: heute nichts mehr vor! Nach Barfußgehen und Köpper vom Steg. Nach unvernünftig viel Eis und dem Geräusch einer Wassermelone, die seufzend in zwei Hälften bricht. Nach diesem Kribbeln, das getrocknetes Meerwasser hinterlässt wie Brause für die Haut. Und abends ewig wachbleiben, ein Lagerfeuer, strahlendes Orange: Lieblingsfarbe Glut. Ist Sommer in Wahrheit gar keine Jahreszeit, sondern ein Gefühl?

Im Englischen ist man homesick, wenn man Heimweh hat. Sick bedeutet krank. Sommerkrank? Das trifft es irgendwie nicht, dieses Sehnen und Strecken. Hat man einfach Sommerweh?

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