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Thema der Woche:Schnee von morgen

Und Schuss! In der Namib-Wüste in Namibia zum Beispiel kann man bei 40 Grad Dünen runtersausen.

(Foto: agentur artwork)

Die Winter in Deutschland werden immer milder. Alle zehn Jahre, haben Wissenschaftler errechnet, verkürzt sich die Schneesaison wegen des Klimawandels um etwas mehr als fünf Tage. Kann man Schnee ersetzen?

Wieso bekommt jeder Sturm einen eigenen Namen, Schneegestöber aber nicht? Diesen Winter hätte es einen Ehrentitel verdient: Sabine von Arendelle vielleicht? Aber der Schnee lässt auf sich warten - und alles Tolle drumherum auch: das Knirschen bei jedem Schritt, Flockenfangen mit der Zunge, Iglus im Vorgarten und Schneeballschlachten im Park, der Rausch auf dem Skihang, nichts als Winterwind um die Ohren. Aber statt Talabfahrten sind dort derzeit oft Matschpisten, an den Hängen blitzt das Grün durch. Macht Frau Holle etwa Winterschlaf?

Wegen des Klimawandels wird sich die Schneesaison alle zehn Jahre um etwa fünf Tage verkürzen. Winterfans und Wissenschaftler tüfteln schon länger an einem Ersatz. Wie könnte der Schnee der Zukunft aussehen? Glitschig und grün, sagen manche Forscher. Sie haben herausgefunden, dass man auf Algen prima Skifahren kann. Das Grünzeug wird dafür auf Matten angepflanzt und an Hängen ausgelegt. Es ist weich, formbar und kurventauglich - das haben Skiprofis getestet. Andere setzen auf Sand: In der Namib-Wüste in Namibia kann man schon jetzt Skiausrüstung leihen und bei 40 Grad Dünen runtersausen.

Andererseits: Geht da nicht das Skigefühl verloren? Das Sonnenglitzern auf dem Schnee, die weiße Wolke beim scharfen Abbremsen? Und wenn es einen hinhaut, klebt dann überall Sand oder wird man zum Sushi, eingewickelt in Algenmatten? Skigebiete klammern sich derzeit an Schnee. Sie produzieren ihn in Schneekanonen oder recyceln ihn sogar. Snowfarming nennt man das. Dabei wird Schnee am Ende der Saison unter Planen im Schatten geparkt. Er übersommert dort. Zum Saisonstart wird er dann wieder auf den Pisten verteilt. Hält halt nicht lange. Vielleicht müssen wir auch am Skigefühl arbeiten: Statt Daunenjacke und Eis, das zapfenweise von der Dachrinne hängt, könnte ein Skitag im Pulli beginnen - mit Eis am Stiel.

© SZ vom 15.02.2020
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