Thema der Woche:Runtergespült!

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Nur ein Klo? Eher ein Klorakel: Abwasser verrät viel – auch über die Zukunft.

(Foto: imago images/imagebroker)

Aber deshalb noch lange nicht weg: Im Abwasser in der Kanalisation stecken jede Menge Geheimnisse über Menschen, wertvolle Rohstoffe und fiese Krankheitserreger, die eigentlich schon längst als ausgerottet galten.

Von Franziska Draeger

Wer die Geheimnisse einer Stadt ergründen will, sucht am besten im Labyrinth unter den Gullydeckeln: in der Kanalisation. Über das Klo gelangt dort eine Menge hinein, von dem Menschen nicht wissen oder worüber sie nicht gern sprechen. Björn Helm erforscht Abwasser und sagt: "Anders als Menschen lügt es nie." Der Wissenschaftler von der Technischen Universität Dresden ist einer von vielen Abwasserdetektiven, die in ganz Europa nach Informationen in der braunen Brühe suchen.

Wasserproben aus städtischen Kläranlagen verraten eine Menge. Zum Beispiel, zu welcher Uhrzeit die Menschen Kaffee gerne trinken, ob ein Biohof wirklich nicht düngt, im Sportverein gedopt wird oder in welchen Städten welche Drogen besonders beliebt sind. Antwerpen zum Beispiel ist die Koks-Hauptstadt, in Barcelona wird am meisten gekifft. Außerdem stecken im Abwasser Krankheitserreger, die mit der Spülung hineingeschwemmt werden. Gerade erst verursachte eine Entdeckung im Abwasser von New York Aufregung. Darin befinden sich nämlich reichlich Polio-Viren. Polio, auch Kinderlähmung genannt, ist eine gefährliche Krankheit, die schon als ausgerottet galt. Das Abwasser aber zeigt, dass man sich getäuscht hat. Das ist eine wichtige Warnung an alle, die nicht geimpft sind, und gibt den Menschen die Möglichkeit, sich zu wappnen.

Seit einiger Zeit muss das Abwasser außerdem regelmäßig zum Corona-Test. "Manchmal sind in einem kleinen Fläschchen Abwasser ähnlich viele Viren wie in der Nase eines infizierten Menschen", sagt Helm. So offenbarte das Dresdner Abwasser in Sachsen zum Beispiel zu Beginn der Sommerferien, dass eine von den Bewohnern beinahe unbemerkte Corona-Welle über die Stadt rollte. Im Abwasser stecken aber nicht nur Informationen: Die Klärwerke der Zukunft sollen auch wertvolle Rohstoffe wie Stickstoff oder Phosphor liefern. Upwasser, sozusagen.

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