Thema der Woche Post mit Blutsauger

Illustration: Cachetejack

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Mücken kann man jagen, verfluchen, zerquetschen - oder man schickt sie an die Forscherin Doreen Walther. Ein Gespräch über eingefrorene Insekten und Regentonnen mit Deckel.

Interview von Annett Zündorf

SZ: Sie wollen, dass man Ihnen Stechmücken per Post schickt. Warum das denn?

Doreen Walther: Ich bin Mückenforscherin. In Deutschland gibt es über 50 verschiedene Stechmückenarten. Wir wollen wissen, welche wo wohnen. Da wir nicht überall selbst sammeln können, bitten wir alle um Mithilfe.

Wie funktioniert das? Was muss ich tun?

Ganz wichtig: die Mücke nicht erschlagen. Man muss sie lebendig fangen, am besten mit einem Gläschen. Dann kommt sie über Nacht ins Gefrierfach. Dort schläft sie einfach ein. Zusammen mit dem ausgefüllten Formular von www.mueckenatlas.de kommt die tote Mücke am besten in einer Streichholzschachtel zu mir.

Was passiert mit einer Mücke, die ich an Sie schicke?

Jede einzelne Mücke bekommt eine Nummer. Mit einem speziellen Mikroskop schauen wir nach, welche Mückenart es ist. Dann tragen wir sie auf einer großen Deutschlandkarte ein. So entsteht ein richtiger Mückenatlas.

Entdecken Sie dabei auch ganz neue Arten?

Ganz neue eher nicht. Aber seit einigen Jahren gibt es in Deutschland Arten wie die Asiatische Tigermücke oder die Buschmücke, die es früher hier nicht gab. Sie stechen nicht nur, sondern können dabei auch Krankheiten übertragen. Wir beobachten das, damit wir rechtzeitig etwas dagegen tun können.

Antworten Sie den Mückenjägern?

Na klar. Jeder Einsender bekommt von uns eine Antwort. Er erfährt, welche Art es war und wo die normalerweise wohnt. Dazu verraten wir noch Tricks gegen Mücken. Da reicht manchmal schon ein Deckel auf der Regentonne.

Und wenn doch eine kommt: Was hilft gegen Stiche?

Mücken lieben unseren Schweißgeruch und das Kohlendioxid, das wir ausatmen. Natürlich können wir aber nicht einfach aufhören zu atmen. Mückenmittel versuchen, den Duft der Haut zu überdecken. Ich empfehle: Waschen.