Thema der Woche:Leistungswasser

Wasser

Im Schnitt verbraucht jeder Mensch in Deutschland etwa 125 Liter Wasser pro Tag. Illustration: Ryan Trott

Luft, Erde, Feuer? Der Superstar unter den Elementen ist das Wasser. Es löscht Durst und Feuer, formt Felsen und Landesgrenzen. Es macht uns schwerelos, manchmal auch machtlos. Wasser ist mächtig, fürchterlich - und großartig.

Von Silke Stuck

So ein Material könnte sich kein Modeschöpfer ausdenken: weich, durchsichtig, wandelbar wie ein Chamäleon und voller Widersprüche. Wasser kann azurblau oder schlammschwarz sein, türkis oder giftgrün. Es hat keine feste Form und formt doch so vieles auf der Welt: Felsen, Flussbetten, Ländergrenzen. Und es kann komplett unterschiedliche Sachen: wogen, fließen, rinnen, plätschern, zerschmettern, tröpfeln, zerbersten, umspülen, brechen, schäumen, prasseln, umhauen. Greifbar ist es nicht, aber dafür spürbar. Und wie!

Als einziges Element kann uns Wasser schwerelose Momente schenken. Salto unter Wasser? Kein Problem. Die Welt kurz stummschalten? Einfach abtauchen, funktioniert selbst in der Badewanne. Sich, Gesicht gen Sonne, auf die Wasseroberfläche legen und sanft durchschaukeln lassen? Unmöglich, ohne dabei zu lächeln. Wasser trägt und unterstützt, es macht stärker und lindert. Vielleicht wird es deshalb in fernöstlichen Ländern gerne als Sinnbild für das Leben herangezogen: Es ist immer in Bewegung, hat eine klare Richtung und umfließt Hindernisse.

Wasser hält auch mal eben die ganze Welt am Laufen, und uns obendrein. Ohne könnten wir nicht leben, es ist ein Teil von uns. Babys bestehen zu 85 Prozent aus Wasser, Erwachsene zu 70 Prozent und Omas und Opas etwa zur Hälfte. Wasser ist aber nicht nur in uns drin, sondern auch um uns herum. Es perlt in einzelnen Tropfen von Grashalmen oder schleiert als Nebelschwaden durch die Berge. Es kühlt unseren Sommerdrink, sprudelt unsere Spaghetti durch den Topf, schmilzt auf der Zunge - oder verursacht in Form von Starkregen Chaos und Verwüstung wie gerade im Westen Deutschlands. Wild und zerstörerisch, auch so kann Wasser sein.

Selbst die Zeit ist vor Wasser nicht sicher: Mal dehnt es sie - die ersten Minuten können ewig dauern, während alles im Körper sich raussehnt aus dem kalten Nass oder dem nassen Kalt. Aber dann schon eine ganze Stunde um? Blaue Lippen? Mit Sonne, Freunden und Spielzeug kann es sich anfühlen wie ein paar Minuten. Am oder im Wasser gibt es kein Sollen, so hat es mal ein Schriftsteller gesagt, sondern nur noch Wollen.

© SZ vom 17.07.2021
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