Thema der Woche:Lauthals

Thema der Woche: Zwinkert der etwa? Wir merken schnell und intuitiv, ob ein Lachen echt oder künstlich ist. Fotoillustration: Ronja Fischer

Zwinkert der etwa? Wir merken schnell und intuitiv, ob ein Lachen echt oder künstlich ist. Fotoillustration: Ronja Fischer

Lachen kann verbinden und ausgrenzen, befreien, anstecken oder wehtun. Wann es sich falsch anfühlt, was es zum Freundschaftskleber macht und wie wir es täglich trainieren können. Über eine wichtige, lustige Gesichtsverzerrung

Von Nina Himmer

Mit Autobahngeschwindigkeit saust die Luft durch die Lunge, fast 300 Muskeln zucken, das Zwerchfell hüpft. Nur ein paar Sekunden Lachen sind für den Körper wie drei Minuten Rudern. Irgendwann schnappt man nach Luft. Zurück bleiben Kribbelglück und Lachbauchweh.

Körperlich ist Lachen schnell erklärt. Alles andere daran ist aber ziemlich kompliziert. Zum Beispiel weiß niemand genau, warum wir eigentlich lachen. Vermutlich hat es genau wie Weinen eine soziale Funktion, man kann sich damit ohne Worte mit anderen verständigen: Lachen verbindet, steckt an, tut gut, befreit und lockert auf.

Ein Missgeschick ist nur noch halb so schlimm, wenn man darüber lacht statt schimpft. Andere mit einem Witz oder einer lustigen Geschichte zum Lachen zu bringen macht ein warmes Gefühl im Bauch. Und die gleichen Dinge lustig zu finden schweißt so sehr zusammen, dass es fast schon eine Art Freundschaftskleber ist.

Lachen hat aber auch eine andere, eine fiese Seite. Es kann höhnisch und falsch sein, vergiftet, freudlos, künstlich oder fehl am Platz. Was passiert, wenn Lachen nicht zur Situation passt, hat diese Woche Armin Laschet erfahren, der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen. Während der Bundespräsident über die Flutkatastrophe sprach, lachte er im Hintergrund, mitten im Hochwassergebiet. Er war sich offenbar nicht bewusst, dass er gefilmt wurde. Die Empörung war groß: taktlos!

Auch fies: ausgelacht werden. Das ist noch ätzender als kritisiert zu werden. Es tut weh und grenzt aus, Botschaft: Wir nehmen dich nicht ernst. Manchmal kann man trotzdem nicht anders. Jemand rennt gegen einen Laternenmast oder rutscht auf Glatteis aus? Da prustet es manchmal einfach aus einem heraus. Aber: Über andere lachen kann jeder. Über sich selbst lachen hingegen ist Lachen für Profis - und die vielleicht größte Kunst überhaupt.

© SZ vom 24.07.2021
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