Thema der Woche:Krieg der Sternchen

Lesezeit: 1 min

Eine Frau kämpft seit Jahren hartnäckig um zwei kleine Buchstaben. Ihr Anliegen beschäftigt nicht nur das höchste Gericht Deutschlands, sondern mittlerweile auch die ganze Gesellschaft. Warum das gut ist und worum es geht.

Von Nina Himmer

Marlies Krämer hat ein Konto bei der Sparkasse. Aber Kundin ist sie dort nicht. Wie kann das sein? Was nach Knobelfrage klingt, hat gerade das höchste deutsche Gericht beschäftigt. Dort hatte Krämer geklagt, weil ihre Bank sich weigert, sie als Kundin zu bezeichnen. Auf den Briefen an sie steht immer nur "Lieber Kunde ..."

Dieses Problem gibt es in der deutschen Sprache öfter. Sobald es um Gruppen geht, wird nämlich die männliche Form verwendet. Von Lehrern, Ärzten, Schülern oder eben Kunden ist dann die Rede. Selbst wenn damit alle gemeint sind, fühlen sich vor allem Männer und Jungen angesprochen. Aber was ist mit Frauen und Mädchen? Mit Lehrerinnen, Ärztinnen, Schülerinnen und Kundinnen? Manche finden das so ungerecht, dass sie für eine andere Sprache kämpfen. Zum Beispiel mit Sternchen: Schüler*innen würde es dann heißen - und beim Sprechen macht man einfach eine kleine Pause da, wo der Stern ist. Alle angesprochen, zack, Problem gelöst! So einfach ist das allerdings nicht. Viele finde das Sternchen zu umständlich, auch bei der Süddeutschen Zeitung tut man sich schwer damit, eine einheitliche Regelung zu finden. Wie kann Sprache schön und gleichzeitig gerecht sein? Andere halten das Problem für übertrieben. Reicht es nicht zu wissen, dass alle gemeint sind?

Die meisten Forscher sagen: nein. Denn wie wir sprechen, wirkt sich darauf aus, wie wir denken und handeln. Studien zeigen, dass Mädchen seltener Berufe ergreifen, von denen meist in der männlichen Form gesprochen wird. Ingenieur etwa. Außerdem spiegelt Sprache eine Gesellschaft wider, in der Frauen oft benachteiligt werden. Sie verdienen weniger Geld und haben seltener wichtige Posten. Es gäbe also gute Gründe, Sprache zu ändern. Das Gericht hat die Klage trotzdem abgewiesen. Begründung: Das war schon immer so. Und: Kunde sei nicht ausgrenzend gemeint. Wie findet ihr das? Schreibt uns an: kinder-sz@sueddeutsche.de

Zur SZ-Startseite