Thema der Woche Klick, klick - drin

Illustration: Eric Reh

(Foto: )

Ein Schüler hat im großen Stil Passwörter geknackt und private Daten geklaut. Wie kann man sich davor schützen? Und warum müssen Familien besonders gut aufpassen?

Von GEorg Cadeggianini

Was einem wichtig ist, das schützt man. Man versteckt es (Tagebuch, Süßigkeiten), sperrt es ab (Schatztruhe, Fahrrad) oder sichert es mit einem Passwort (Geheimclub, E-Mail). Ob der Schutz ausreicht, wird dabei oft erst klar, wenn es zu spät ist. Im Tagebuch schnüffelt die Schwester, das Fahrrad ist weg, die E-Mail geknackt.

Am Sonntag kam die Polizei dem Datendieb "Orbit" auf die Schliche. Er hat den Schutz von 994 Politikern und Prominenten geknackt, also vor allem Passwörter. Und zwar nicht, um in Ruhe Youtube zu gucken oder Fifa zu spielen, wie es Kinder machen, wenn sie den iPad-Code der Eltern knacken, sondern weil er fies sein wollte: Er habe sich über die Politiker geärgert, sagte "Orbit" der Polizei. Deswegen hat er private Fotos, Adressen und Handynummern von ihnen veröffentlicht, Bankauszüge und sogar einen Impfpass. Das Überraschende dabei: Hinter "Orbit" versteckt sich kein Superhacker, sondern ein Schüler. Er ist 20 Jahre alt und wohnt bei seinen Eltern. Die Passwörter hat er erraten oder sich im Netz für jemand anderen ausgegeben und so weitere Details erfragt.

Warum das so einfach ist? Da gibt es verschiedene Antworten. Die erste ist: Ganz so einfach ist es gar nicht. "Orbit" hat wirklich wahnsinnig viel Zeit im Netz verbracht und viele Passwortlisten und Hacks anderer Personen durchsucht. Zweitens: Viele Internetnutzer machen es Leuten wie "Orbit" verdammt einfach. Unter den häufigsten Passwörtern finden sich "123456", "hallo" und "passwort" (Platz 1, 7 und 9).

Familien sind dabei besonders anfällig, vor allem weil sie viel teilen: Dropbox, Alexa, den gemeinsamen Rechner im Wohnzimmer. Wird einer aus der Familie gehackt, sind die Daten von allen gefährdet. Ein gutes Passwort ist kompliziert, sinnlos und so lang, dass man es sich nicht merken kann. Um das gut hinzukriegen, gibt es Passwortmanager. Das sind Programme, die Kennworte verschlüsseln und verwalten.

Wenn der kleine Bruder einem die Süßigkeiten klaut, kann man sich als Familie zusammensetzen: Wie machen wir das in Zukunft besser? Beim Computer sollte man es genauso machen. Jetzt - nach "Orbits" Knackerei - ist ein guter Moment dafür.