Thema der WocheHaben will

Lesezeit: 3 Min.

Illustration: Marc Majewski

Ob Stofftier oder Grönland: über Lust und Last von Eigentum.

Von Georg Cadeggianini

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Ein Jäger schießt – ihr merkt, wir beginnen mit einem Witz – eine Ente und trifft sie im Flug. Sie fällt auf den Hof eines Bauern. Es gibt Gezänk darüber, wem die Ente nun gehört. Der Bauer schlägt vor, die Streitigkeit wie nach einer alten Tradition üblich durch einen Tritt auf den Fuß des anderen zu klären: Wer weniger schreit, bekommt die Ente! Der Jäger stimmt zu, der Bauer beginnt. Nach einem heftigen Tritt jault der Jäger auf, hüpft einbeinig im Kreis, hält sich jammernd den Fuß. Als er wieder stehen kann, sagt er: „So, jetzt bin ich dran!“ Der Bauer winkt ab: „Ich hab’s mir überlegt, nimm du die Ente.“

Die Frage nach Eigentum ist verzwickt. Wem gehört was? Und warum? Könnten wir nicht auch alles teilen? Wann nervt Eigentum? Und was gehört ohnehin immer allen? Im Durchschnitt zählt jeder Europäer heutzutage angeblich 10 000 Dinge zu seinem Eigentum. Würde man sich Zeit nehmen und sie abzählen – also antippen, laut zählen, nächstes Ding –, bräuchte man, hätte man alles parat und würde nur fünf Sekunden pro Sache benötigen, fast 14 Stunden. Realistisch („Siebentausendfünfhundertneunundsiebzig“! Der Keller!) bräuchte man aber wahrscheinlich mehrere Tage. Macht so viel Zeug wirklich glücklich?

Noch vor ein paar Hundert Jahren waren es, so schreiben Mittelalterforscher, ein paar Kleidungsstücke, Töpfe, Werkzeuge, Möbel – zwei, höchstens drei Dutzend Dinge, fertig. Man konnte einfach sein Bündel schnüren und weiterziehen: Ich und meine Dinge – unterwegs. Welche 25 Dinge würdest du auswählen, wenn du müsstest? Befreit es, alles andere wegzulassen?

„Das gehört mir“ ist ein mächtiger Satz. Niklas Angebauer ist Eigentumsforscher an der Uni Oldenburg. Seit fast zehn Jahren beschäftigt er sich mit nichts anderem. Frage: Wann wurde dieser Satz zum allerersten Mal auf der Welt ausgesprochen? „Menschen leben schon immer gemeinsam. Und wenn sie das tun, können sie gar nicht anders, als Regeln zu finden, wer wann auf welche Güter zugreifen darf.“ Das heißt, der Satz ist so alt wie die Menschheit? „Ich denke, ja.“

Das beginnt bei ganz kleinen Kindern. Schon mit zwei, drei Jahren beginnen Kinder zwischen Besitz und Eigentum zu unterscheiden. Natürlich nicht mit diesen Worten. Aber zwischen: Ja, ich habe den Stoffhasen in der Hand, und nein, mir gehört er nicht, sondern meinem Bruder. Im Kindergarten tauchen dann oft Sätze auf, wie eine kleine Theorie des Eigentums: „Aber ich hatte das zuerst.“ „Das habe ich selbstgebastelt.“

Donald Trump („Ich will nichts weiter als ein riesiges Eis“) ist Präsident der Vereinigten Staaten. Er will, dass die Insel Grönland Eigentum von den USA wird. Seine Argumente: 1. Wir hatten das schon mal und haben es zurückgegeben. 2. Nur wir können es verteidigen. Und das geht nur, wenn es uns gehört.   Beide Argumente sind falsch. 1. Grönland gehörte nie zu den USA. 2. Es ist nicht nur möglich, dass die USA gemeinsam mit Partnern einen Angriff auf Grönland verteidigen. Sie sind über die Nato sogar dazu verpflichtet.

Trotzdem könne man Trump fast schon dankbar sein, meint Angebauer. Nicht für den ganzen Unsinn, den er in seiner Rede diese Woche behauptete, in der er öfter sogar Grönland mit Island verwechselte, sondern dafür, dass Trump Eigentum als Grundlage für Konflikte sichtbar macht. Oft sehe man das gar nicht auf den ersten Blick. Zum Beispiel die Wohnungskrise in Deutschland: Schuld ist die Gier von Vermietern, das Missverhältnis von Angebot und Nachfrage? „Das Basisproblem ist das Privateigentum an Grund und Boden“, sagt Angebauer.

Trump handele so wie Herrscher vor 300 Jahren. „Im Absolutismus fallen Herrschaft und Eigentum noch zusammen. Dem König gehört das ganze Land. Und alle Menschen, die dort leben, sind seine Untertanen. Aber diese Zeit ist vorbei.“ König Trump? „Nur so kann ich mir erklären, dass er ein ganzes Land kaufen will. Von wem denn?“

Wer nur an sein Eigentum denkt, wird halt eigentümlich.

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