Thema der Woche:Doingdoingdoing

Thema der Woche: Wenn die Füße abheben, hüpft das Herz gleich mit: Jeder Sprung ein Freudensprung. Illustration: Katy Daft

Wenn die Füße abheben, hüpft das Herz gleich mit: Jeder Sprung ein Freudensprung. Illustration: Katy Daft

Hüpfen ist wie Gehen - bloß toller. Das finden zumindest Kinder. Es ist megalustig, ziemlich gesund und ein bisschen wie fliegen. Trotzdem hören fast alle Menschen damit auf, sobald sie älter werden. Warum eigentlich?

Von Georg Cadeggianini

Wie lernen Kängurus das Springen? Antwort: Learning by doing, doing, doing. Hüpfen ist ein absolutes Kinderding. Wie Gagawitze, Verstecksti oder Saure Schlangen. Wer hat je einen Erwachsenen mit Hemd und Anzug durch die Fußgängerzone hopsen sehen? Lächerlich, kindisch, verblödet! Eben.

Das ist erst mal merkwürdig. Denn Hüpfen kann einiges. Es ist lustig (unmöglich, über eine längere Hopserstrecke grantig zu bleiben), gesund (Work-out-Empfehlung Himmel und Hölle!) und die zweibeinige Fortbewegungsart, die dem Fliegen am nächsten kommt - absoluter Menschheitstraum. Da gibt es diesen federleichten Moment, wenn das Hochspringen fast zu Ende ist und die Erde beginnt, einen wieder zurückzuholen. Schwerelosigkeit wäre jetzt zu viel gesagt ... - wobei?

Trotz dieses Partypotenzials hören Menschen einfach mit dem Hüpfen auf, wenn sie größer werden. Und wenn nicht, muss zumindest der Spaß weg. Wer Polizist werden will, muss beim Eingangstest hüpfen: Männer mindestens 1,95 Meter weit, Frauen 1,57. Ansonsten: Springseil, Burpees, spaßfreie Zone. Vor hundert Jahren war der Standweitsprung sogar olympisch. Der Weltmeister, Ray Ewry, "menschlicher Frosch" genannt, konnte 3,48 Meter weit hüpfen, ohne Anlauf. Ein Supercop?

Also, was bitte ist so kindisch am Hüpfen? Wir sind zu faul, sagen Forscherinnen und Forscher. Egal, welche Geschwindigkeit man hopst - gehen oder laufen ist weniger anstrengend. Schuld daran ist die Erdanziehung. Würden wir uns woanders also ganz anders bewegen? Sind wir auf einem Antispringplaneten gefangen? Wer zweifelt, sollte sich mal Neil Armstrongs erste Mond-Hopser anschauen. Das sind keine Schritte!

Das Känguru aber doingt mit bis zu 50 km/h über die Erde. Das Besondere: Es verbraucht dabei nicht mehr Energie als in Schrittgeschwindigkeit. Außerirdisch gut! Wir Erdlinge üben noch.

© SZ vom 18.09.2021
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