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Technik:Schlauberger

Illustration: Karsten Petrat

Künstliche Intelligenz kann eine ganze Menge: Bilder malen und Autos steuern, Gedichte erfinden und ganz neue Kapitel von Harry Potter schreiben. Echt jetzt? Über Chancen und Grenzen der Schlauberger von morgen.

Von Nina Himmer (Text) und Karsten Petrat (Illustration)

Lernmaschinen

Wie für Menschen gilt auch für Maschinen: manche sind schlauer als andere. Die Oberstreber unter den Maschinen sind solche, die über künstle Intelligenz verfügen, kurz KI. Das sind Computerprogramme, die das menschliche Gehirn nachahmen und selbständig Aufgaben lösen - etwa ein Auto durch den Verkehr steuern, eine Wohnung putzen oder in Gestalt eines Roboters in Altenheimen Tee servieren. Im Vergleich dazu ist zum Beispiel ein Taschenrechner eher einfältig, weil er nur sturen Rechenregeln folgt. KI hingegen lernt ähnlich wie unser Gehirn durch Erfahrungen oder Fehler dazu - und wird so schlauer.

Datentraining

Eine KI lernt ähnlich wie ein kleines Kind. Mit dem Unterschied, dass man sie mit Daten füttern muss. Will man zum Beispiel, dass sie auf Bildern zuverlässig Birnen erkennt, zeigt man ihr Hunderttausende Bilder von Birnen: grüne und rote, reife und vergammelte, pralle und eingedellte, große und kleine und dazwischen auch mal ein paar Äpfel oder Bananen zur Abgrenzung. Durch all das Datenfutter lernt die KI, Birnen immer zu erkennen und von anderen Dingen zu unterscheiden. Das Tolle: Dieses Prinzip funktioniert nicht nur mit Obst, sondern mit so ziemlich allem. Eine KI kann zum Beispiel nach Tumoren suchen oder alle möglichen Kombinationen beim Schach lernen - und damit, wie der Schachroboter Deep Blue bewiesen hat, sogar Schachweltmeister schlagen.

Künstliche Künstler

Das Bild "Edmond de Belamy" zeigt einen etwas dicklichen und verschwommenen Mann in einem schwarzen Anzug. Auf einer Auktion wurde es für fast 400 000 Euro verkauft. Der Preis ist in der Kunstwelt nichts Besonderes, das Bild schon: es wurde von einer KI erschaffen. Ein Computerprogramm wurde dafür mit Bildern von 15 000 Werken berühmter Künstlern gefüttert. Die hat es analysiert, zusammengewürfelt und etwas Neues geschaffen.

Harry Potter Band 8

Auf eine richtige Fortsetzung von Harry Potter wartet die Welt bisher vergeblich. Und aus der Feder der Autorin, das hat J.K. Rowling oft betont, wird sie auch nicht kommen. Eine Firma hat deshalb eine KI mit allen Harry-Potter-Romanen gefüttert und sie damit beauftragt, das erste Kapitel des achten Bandes zu schreiben. Heraus kamen Sätze, die an den Stil der Autorin erinnern, inhaltlich aber noch gewaltig hapern: "Harry sah sich um und fiel für den Rest des Sommers die Wendeltreppe hinunter." Oder: "Für Harry war Ron ein lauter, langsamer und weicher Vogel. Harry dachte nicht gerne an Vögel." Bemerkenswert ist auch der Titel, den die KI für die Fortsetzung ersonnen hat: "Harry Potter und das Portrait, das wie ein großer Haufen Asche aussah." Diese KI muss wohl noch ein bisschen üben ...

KI-Kultur

Ein Gedicht mit dem Titel "Sonnenblicke auf der Flucht" hat es in einen berühmten Gedichtband geschafft. Und mit Hilfe einer KI wurde Beethovens unvollendete zehnte Sinfonie fertig komponiert. Das Konzert zur Uraufführung in Bonn musste wegen Corona verschoben werden, soll aber diesen Herbst stattfinden.

Können die nur Quatsch?

Nein. KI ist ziemlich nützlich, der Alltag bereits voll davon. Streamt man zum Beispiel Serien oder Musik, lernt die KI den Geschmack der Nutzer kennen und macht passgenaue Vorschläge für neue Lieder und Serien. Viele Saugroboter erstellen dank KI beim Putzen eine Karte der Räume und lernen so, Hindernisse zu umfahren oder unter dem Schrank zu saugen.

Arzthelfer

In der Medizin rettet KI sogar Leben: Superspezialisierte Computerprogramme helfen Ärztinnen und Ärzten dabei, Bilder aus dem Körperinneren zu bewerten - etwa bei Brustkrebs. Gerade werden auch KI trainiert, die anhand von Lungenaufnahmen oder Hustengeräuschen Covidpatienten erkennen sollen.

Schlauer als wir?

Wenn Maschinen immer schlauer werden - übertreffen sie uns dann irgendwann? Wird dann R2D2 Kanzler? Viele Filme handeln vom Kampf zwischen Menschen und Maschinen und davon, dass KI uns irgendwann k.o. schlägt. Aber: Noch sind Maschinen nur so gut wie das, was Menschen ihnen einprogrammieren. Sie haben kein eigenes Bewusstsein, keine Gefühle und sind immer Fachidioten, also nur auf ihrem Spezialgebiet gut oder sogar besser als Menschen. Insgesamt aber ist jede Grundschülerin schlauer.

© SZ vom 17.04.2021
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