Tagebuch aus Japan:18. März: "Wer flieht, kann seinen Job verlieren"

tokio supermarkt

Die meisten Regale in den Tokioter Lebensmittelgeschäften sind leer. Besonders Getränke, Milch, Brot und Cerealien sind ausverkauft.

(Foto: privat)

Tadahiro Okuda, 36, Berater, arbeitet in Tokio. Eintrag vom 18. März 2011:

Mein Arbeitgeber hat unser Büro geschlossen. Wegen der radioaktiven Bedrohung und weil die öffentlichen Verkehrsmittel nur noch teilweise fahren, sollen wir von zuhause arbeiten. So sitze ich nun zuhause, mit Laptop und Handy und arbeite - während ich mich gleichzeitig auf die nukleare Katastrophe vorbereite. Der Fernseher läuft, aber nicht immer: Während ich arbeite, schalte ich das Gerät aus, um mich von den vielen schlechten Nachrichten nicht runterziehen zu lassen.

Zuhause versuche ich, Elektrizität einzusparen, besonders zwischen sechs und acht Uhr abends. Die Klimaanlage habe ich ausgeschaltet, Wäschetrockner und Mikrowelle benutze ich nur, wenn es sich nicht vermeiden lässt.

Es gehört zu meiner täglichen Routine, täglich in den Supermärkten zu schauen, ob die Regale wieder aufgefüllt sind: Ich bräuchte Getränke, Eier, Fleisch, Toilettenpapier und, und, und... Ich habe eine Allergie gegen Pollen und langsam gehen mir die Kleenex-Tücher aus...

Und dann sitze ich natürlich zuhause und spreche mit Freunden und Verwandten über das Internet. Viele meiner Freunde versuchen, Freunde und Familienmitglieder in den zerstörten Gebieten im Norden zu kontaktieren, ihnen Lebensmittel zu schicken, viele haben Angst. Ich versuche, sie so gut es geht zu ermutigen.

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