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Armut:Immer mehr Senioren sind auf die Tafeln angewiesen

Im Rahmen der Aktion KAUF LOKAL schließen sich Männermode Spezialist Hirmer und die Münchner Suppenk

Eine Tafel-Aktion in München

(Foto: imago images / Overstreet)
  • Die Zahl der Menschen, die regelmäßig das Angebot der Tafeln in Deutschland nutzen, ist im vergangenen Jahr um zehn Prozent gestiegen.
  • Bei Senioren, die Rente oder Grundsicherung beziehen, sei der Anstieg mit 20 Prozent dramatisch, teilte der Dachverband Tafel Deutschland e. V. mit.
  • Auch fast 50 000 Kinder und Jugendliche sind nach Angaben des Dachverbands zuletzt zu den Tafel-Nutzern hinzugekommen.

Immer mehr Menschen gehen zu den Tafeln in Deutschland, um sich dort Lebensmittel abzuholen. Innerhalb eines Jahres sei die Zahl der regelmäßigen Kunden um zehn Prozent auf aktuell 1,65 Millionen gestiegen, teilte der Dachverband Tafel Deutschland e. V. am Mittwoch in Berlin mit. Bei Senioren, die Rente oder Grundsicherung beziehen, sei der Anstieg mit 20 Prozent dramatisch, hieß es. Niedrige Renten seien nach Langzeitarbeitslosigkeit der zweithäufigste Grund, eine Tafel aufzusuchen.

"Diese Entwicklung ist alarmierend", warnte Verbandschef Jochen Brühl. "Altersarmut wird uns in den kommenden Jahren mit einer Wucht überrollen, wie es heute der Klimawandel tut." Die Politik dürfe nicht länger abwarten. Es brauche tiefgreifende Reformen und verbindliche, ressortübergreifende Ziele zur Bekämpfung von Armut. "Die Zeit der kleinen Schritte ist vorbei", meinte Brühl.

Auch fast 50 000 zusätzliche Kinder und Jugendliche sind nach Angaben des Dachverbands zuletzt zu den Tafel-Nutzern hinzugekommen. Ihr Anteil liege bei 30 Prozent. Deutschland vernachlässige Kinder systematisch, kritisierte der Vorsitzende. "Hier wachsen wegen struktureller Nachteile die Altersarmen von übermorgen heran."

Im Vergleich zum Vorjahr konnten die Tafeln laut ihrer Jahresbilanz mit etwa 265 000 Tonnen - das sind etwa 500 Kilogramm in jeder Minute - nur wenig mehr Lebensmittel retten. Es fehle an Geld für mehr Kühlfahrzeuge und Lagerräume sowie an Helfern, hieß es. Das Ehrenamt stoße an seine Grenzen, sagte Brühl. Die Tafeln fordern Geld vom Staat als Unterstützung.

In fast allen europäischen Ländern werden Tafeln und Lebensmittelbanken laut Mitteilung der Tafel Deutschland längst von der öffentlichen Hand mitfinanziert. Eine Verantwortung sehen die Tafeln auch bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern: "Jede und jeder kann in seinem eigenen Kühlschrank zum Lebensmittelretter und Klimaschützer werden", so Brühl.

Laut einer aktuellen Studie des Bundesagrarministeriums landen in Deutschland pro Jahr etwa zwölf Millionen Tonnen Lebensmittel in der Tonne. Die Tafeln gehen von bis zu 18 Millionen Tonnen aus. Bundesweit gibt es knapp 950 der Einrichtungen.

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